Institutionelle Förderer

Institutionelle Förderer

Bayerische Staatsbibliothek, München

Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften

Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung, Berlin

Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln

Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main

Franz Steiner Verlag GmbH, Stuttgart

Friedrich-Ebert-Stiftung, Archiv der sozialen Demokratie, Bonn

Geisteswissenschaftliches Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO), Leipzig

Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung, Braunschweig

Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf

Hamburger Edition, Verlag des Hamburger Instituts für Sozialforschung

Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München

Historisches Institut, FernUniversität in Hagen

Historisches Institut, Universität der Bundeswehr München

Historisches Institut, Universität Mannheim

Historisches Institut, Universität Paderborn

Historisches Seminar, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Historisches Seminar, Johann Wolfgang Goethe-Universität

Historisches Seminar, Leibniz Universität Hannover

Historisches Seminar, Universität Luzern

Historisches Seminar, Universität Siegen

Historisches Seminar, Westfälische Wilhelms-Universität Münster

IFK - Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften, Wien

IGK Arbeit und Lebenslauf in globalgeschichtlicher Perspektive, Humboldt-Universität zu Berlin

infoclio.ch, Fachportal für die Geschichtswissenschaften der Schweiz, Bern

Institut für Geschichte der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, Universität Wien

Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung

Institut für Geschichte, Eidgenössische Hochschule Zürich

Institut für Geschichte, Universität Graz

Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Institut für Kulturwissenschaften, Universität Leipzig

Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Dresden

Institut für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte, Universität Flensburg

Institut für Zeitgeschichte, München-Berlin

Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, Friedrich-Schiller-Universität Jena

Karl-Lamprecht-Gesellschaft Leipzig e.V.

Klartext Verlag. Jakob Funke Medien Beteiligungs GmbH & Co. KG, Essen

Leibniz Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz

Max Weber Stiftung - Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland, Bonn

Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte, Frankfurt am Main

Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Peter Lang GmbH - Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main

Philipp Reclam jun. Verlag GmbH, Ditzingen

Seminar für Alte Geschichte, Universität Heidelberg

Staatsbibliothek zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Stiftung Deutsches Hygiene-Museum, Dresden

Stiftung Hamburger Institut für Sozialforschung

Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen

Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands e.V.

Verlag C.H. Beck, München

Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co. KG, Paderborn

Verlag Vittorio Klostermann GmbH, Frankfurt am Main

Verlag Westfälisches Dampfboot, Münster

Wallstein Verlag, Göttingen

Waxmann Verlag GmbH, Münster

Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam e.V., Potsdam

Hartmut Bergenthum: Afrika [PDF-Version]


A. Geschichtswissenschaft und digitale Medien zu Afrika
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Die Geschichtswissenschaft zu Afrika ist einerseits integraler Bestandteil der „African Studies“ im Sinne der „Area Studies“. Sie ist sehr eng vernetzt mit der Ethnologie und der Afrikanistik als Sprachwissenschaft.

Andererseits hat sie im disziplinären Bereich der Geschichtswissenschaft eine Randposition inne. Das bedeutet zum einen, dass es wenige digitale Angebote speziell zur Geschichte Afrikas gibt, auf der anderen Seite aber auch, dass es sehr viele allgemeine digitale Ressourcen zur Geschichte gibt, in denen wertvolle Informationen zu Afrika zu finden sind. Außerdem gibt es eine Tendenz etwa in der neueren Weltgeschichte bzw. „Global History“ oder auch in den Diaspora-Studien, Afrika als eine Region unter vielen einzubeziehen.

Insofern wird dieser Guide immer wieder Angebote vorstellen, die über die Geschichtswissenschaft als Fach oder Afrika als Region hinausgreifen. Einen Schwerpunkt setzt der Guide dabei auf das subsaharische Afrika. Angebote zu einzelnen afrikanischen Ländern werden nur in Ausnahmefällen aufgenommen. Außerdem liegt im Teil A der Schwerpunkt auf Infrastruktur und Projekten in Deutschland.

 

Der Autor:

Dr. Hartmut Bergenthum betreut das DFG-geförderte Sondersammelgebiet „Afrika südlich der Sahara“, die Kolonialbibliothek und das Koloniale Bildarchiv an der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Frankfurt. Er forschte zur Geschichtswissenschaft in Kenia. <h.bergenthum@ub.uni-frankfurt.de>

Zitation: Hartmut Bergenthum, Guide Afrika. In: Clio-online, 18.06.2010, <http://www.clio-online.de/guides/afrika/bergenthum2010/>.


A.1 Infrastruktur
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Für einen Einstieg in die Entwicklung und Situation der Geschichtswissenschaft einzelner afrikanischer Länder sei auf die Literatur am Ende des Guides verwiesen. In Deutschland befassen sich fünf Professuren explizit mit der Geschichte Afrikas.[1] Dass die „African Studies“ insgesamt zu Recht zu den „Kleinen Fächern“[2] zählen, zeigen die niedrigen Zahlen der anderen Disziplinen, etwa sechs EthnologInnen und zwölf SprachwissenschaftlerInnen. Angesichts der überschaubaren Größe gibt es keinen speziellen Verband der AfrikahistorikerInnen, sondern nur die Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland e.V. (VAD).[3]

Die ForscherInnen kennen sich untereinander sehr gut, es kommt kaum zu Überlappungen bei den Forschungsinteressen und den untersuchten Regionen. Die Vielfalt und Größe des afrikanischen Kontinents treten daher immer nur punktuell in den Blick der Forschung. Gleichzeitig ist die deutsche Afrikawissenschaft vielfach international vernetzt.

An den Universitäten zeigt sich eine starke Tendenz dazu, die beteiligten Fächer als Afrikastudien (Bayreuth, Leipzig, Berlin) zusammenzuführen und sich gegenüber den vielerorts drohenden Einsparungen neu zu positionieren.

Die kleinen Fächer stehen an den Universitäten angesichts der Sparzwänge und zunehmender Profilbildung unter einem großen Druck. 2006 hat der Wissenschaftsrat zwar erstmals die grundsätzliche Bedeutung der „Area Studies“ anerkannt, gleichzeitig mit seinen Empfehlungen zum Aufbau eines nationalen Zentrums pro Großregion nach Vorbild der britischen School of Oriental and African Studies (SOAS) den Konkurrenzkampf weiter angeheizt.[4]

Der Wettbewerb im Rahmen der so genannten „Exzellenzinitiative“ führte immerhin zur Förderung einer Graduiertenschule die sich ausschließlich mit Afrika befasst. Die Bayreuth International Graduate School of African Studies (BIGSAS) soll afrikanische und nicht-afrikanische ForscherInnen zusammenbringen sowie dem „Brain drain“ entgegenwirken. Sie umfasst dabei auch einige wenige historische Projekte. Ansonsten gibt es beim Exzellenzcluster Die Herausbildung normativer Ordnungen an der Goethe-Universität Frankfurt ein Forschungsfeld zur „Geschichtlichkeit normativer Ordnungen“ sowie zwei Nachwuchsgruppen zu Afrika: „Wissen und Information über Afrika“ sowie „Transnationale Genealogien“.

 


[1] Das sind: Humboldt-Universität zu Berlin, Seminar für Afrikawissenschaften, Geschichte Afrikas; Universität Hamburg, Arbeitsbereich Außereuropäische Geschichte, Geschichte Afrikas; Universität Leipzig, Institut für Afrikanistik, Bereich "Geschichte und Kultur in Afrika"; Universität Bayreuth, Professur für Geschichte mit dem Schwerpunkt Geschichte Afrikas; Leibniz Universität Hannover, Historisches Seminar, Außereuropäische Geschichte, Professorin für Afrikanische Geschichte. Hinzu kommen noch etwa drei Professuren mit starkem Afrikaschwerpunkt, wie beispielsweise den der Universität Duisburg-Essen, Historisches Institut, Außereuropäische Geschichte.

[2] Hochschulrektorenkonferenz, Die Kleinen Fächer an den deutschen Universitäten. Bestandsaufnahme und Kartierung, Bonn 2008, S. 32, 57f., 96f., <http://www.hrk.de/de/download/dateien/Beitr4-2008_KleineFaecher.pdf>.

[3] Felix Brahm, 40 Jahre Vereinigung für Afrikawissenschaften in Deutschland (VAD), 1969-2009, <http://www.vad-ev.de/2010/download/FelixBrahm-40JahreVAD.pdf>.

[4] Wissenschaftsrat, Empfehlungen zu den Regionalstudien (area studies) in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Juli 2006 (Drs. 7381-06), <http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/7381-06.pdf>.


A.2 Bedeutung digitaler Medien
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AfrikahistorikerInnen in Deutschland haben sich bisher mit digitalen Medien eher am Rande beschäftigt. Die großen Ausnahmen bilden hier Dierk Lange mit seinem eigenen Schrifttum und anderen Quellen sowie Adam Jones mit Missionsfotographien.

Im Rahmen einer intensivierten europäischen Zusammenarbeit in der 1991 begründeten Africa-Europe Group for Interdisciplinary Studies (AEGIS) und durch einige in Deutschland hauptsächlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Drittmittelprojekte hat der Bereich der digitalen Medien neuen Schwung bekommen. In Deutschlands ältestem ethnologischem Forschungsinstitut, dem Frobenius Institut in Frankfurt, wurden mit finanzieller Hilfe der DFG zwischen 2006 und 2009 die Bildarchive – inklusive dem berühmten Felsbildarchiv – digitalisiert. Über 70.000 Bilder (Fotografien, Aquarelle, usw.), die zwischen 1830 und 1964 auf diversen Forschungsexpeditionen auch nach Afrika entstanden, sind mit Thesauri umfangreich sachlich erschlossen. Besonders wegweisend ist das 2008 begonnene, dauerhaft angelegte Projekt Digitalisierung Edition Vernetzung in den Afrikawissenschaften (DEVA) an der Universität Bayreuth mit dem erklärten Ziel, ein zentrales digitales Archiv der unterschiedlichsten Primärdaten der Forschung (wie Aufzeichnungen und Notizbücher zu Feldforschungen, Interviews, Bild-, Tondokumente, Videos, usw.) aufzubauen. Bislang dominieren die Bild- und Tondokumente, z.B. des Afrikanisten und Theologen Ernst Dammann (1904-2003) von Forschungsreisen in Kenia, Tansania, Namibia und Südafrika 1933-1975, des Ethnologen Otto Friedrich Raum (1903-2002) zu Südafrika, Tansania, Sambia und Simbabwe 1938-1968, sowie des Ethnologen Professor Gerd Spittler in Nord- und Westafrika seit 1967; doch soll das Archiv gleichzeitig Dokumentationsstätte des Instituts für Afrikastudien und der BIGSAS werden.

Ein enger Dialog über die Zusammenarbeit dieser beiden jungen Projekte von der Forschungsseite mit anderen neuen bibliothekarischen Entwicklungen führte zu einem Panel mit dem Titel African Studies on the Web - new possibilities and new services for academic research auf der 3rd AEGIS European Conference on African Studies (ECAS) „Respacing Africa“ an der Universität Leipzig am 4. Juni 2009, sowie einem Folgeworkshop an der Universität Bayreuth African Studies on the Web II: Exploring Network Architectures am 26. und 27. März 2010. Auf dem ECAS-Panel wurde auch der internationale Dialog begonnen, etwa mit Vorträgen zu E-Journals[1] oder zu „Institutional Repositories“ in Afrika. Jedenfalls ist ein Anfang gemacht, um Aktivitäten von Seiten der Forschung zu sehr spezifischen Sammlungen mit den eher allgemeinen Projekten von Seiten der Bibliotheken zu bündeln. Letztere organisieren sich inzwischen in den European Librarians in African Studies (ELIAS) mit einer Untergruppe zu Archiven.[2]

 


[1] Jos Damen, Electronic journals and African studies: an overview and some trends, in: African Research & Documentation 109 (2009), S. 9-14.

[2] Terry Barringer, Meeting of European Librarians in African Studies and ECAS 2009, Leipzig June 2009 [Notes and News], in: African Research & Documentation 109 (2009), S. 51-53.

 


A.3 Herausragende Websites zur Informationsrecherche
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Zwei Angebote zur Informations- und Literaturrecherche sollten bei jedem Forschungsprojekt konsultiert werden:

Die internet library sub-saharan Africa (ilissAfrica) eröffnet den Zugang zu über 3.800 Websites aus und über Afrika, die ausführlich mit Zusammenfassungen, Schlagworten und Klassifikationen erschlossen werden. Die Auswahl und die ausführliche, standardisierte Erschließung bieten einen deutlichen Mehrwert gegenüber allgemeinen Suchmaschinen. Die „Internetquellen“ können gleichzeitig mit mehreren Bibliothekskatalogen (Afrika-Sondersammelgebiet in Frankfurt, African Studies Centre (ASC) Leiden mit den Abstracts aus ASA Online, Nordic Africa Institute Uppsala, Institut für Ethnologie und Afrikastudien Mainz und der Afrika-Fachbibliothek im German Institute of Global and Area Studies (GIGA) Informationszentrum) sowie Datenbanken (Afrika-Ausschnitt der World Affairs Online, Aufsatztitel aus 170 Afrika-Zeitschriften der ansonsten kostenpflichtigen SWETS-Datenbank Online Contents) kostenlos durchsucht werden.

Ein Afrika-Ausschnitt der Elektronischen Zeitschriftenbibliothek (EZB) Regensburg bietet eine Übersicht über 600 Zeitschriften mit den jeweiligen Lizenz- und Zugangsinformationen des Standorts von dem aus man die Liste betrachtet („EZB-Ampel“). Unabhängig vom Standort erhält man zumindest Informationen zur Zeitschrift und in den allermeisten Fällen zu den Inhaltsverzeichnissen.

Als eigenständige Dienstleistung der ilissAfrica wird eine Forschungs- und Projektdatenbank für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der VAD angeboten. Sie dient nicht nur der Netzwerk-Bildung untereinander, sondern gibt auch potentiellen Arbeitgebern – wie etwa der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) – einen Überblick zu Regional-, Sprach- und Themenexperten.

Für ForscherInnen, die in afrikanischen Ländern arbeiten, weist der Open Access Guide in englischer und französischer Sprache auf preiswerte oder kostenlose Angebote von elektronischen Ressourcen hin. ilissAfrica wird konsequent in den drei Sprachen – Deutsch, Englisch, Französisch – angeboten, um sowohl für GastwissenschaftlerInnen in Deutschland als auch für ForscherInnen in Afrika als bibliographische Ressource nutzbar zu sein.

ilissAfrica ist ein Projekt der Afrika-Abteilung der Universitätsbibliothek (UB) Johann Christian Senckenberg in Frankfurt in Zusammenarbeit mit der Afrika-Fachbibliothek im GIGA Informationszentrum in Hamburg. Gemeinsam betreuen sie die beiden DFG-Sondersammelgebiete (SSG) zu Afrika südlich der Sahara. Die DFG fördert Sondersammelgebiete, damit jedes wissenschaftlich relevante Buch aus dem Ausland zumindest einmal in Deutschland vorhanden und damit der Spitzenforschung per Fernleihe zugänglich ist. Mit ilissAfrica kann man sich über die Neuerwerbungen der Sondersammelgebiete informieren und den beiden SSG-Bibliotheken Anschaffungsvorschläge schicken.

ilissAfrica folgt als DFG-gefördertes Projekt dem Konzept der Virtuellen Fachbibliothek und ist Teil von Vascoda. Vascoda gibt einen Überblick über alle Virtuellen Fachbibliotheken, für Nordafrika sei auf die Middle East North Africa Virtual Library (MENALIB) verwiesen. Virtuelle Fachbibliotheken bieten einen kostenfreien, integrierten Zugriff auf wissenschaftlich relevante konventionelle und digitale Informationsressourcen und führen Informationen zusammen, die auf privaten oder institutionellen Webseiten, die in Datenbanken oder in Bibliothekskatalogen verstreut vorliegen und die man sich mühsam selbst zusammensuchen muss.

Die von der National Information Services Corporation South Africa angebotene und inzwischen auf der EBSCOhost-Plattform aufliegende Datenbank Africa-Wide: NiPAD bzw. Africa-Wide Information vereint mehr als 40 Einzeldatenbanken unter einer gemeinsamen Recherche-Oberfläche. In den über 3,5 Millionen Einträgen sind Bücher, Aufsätze, Zeitungsartikel (viele im Volltext), Radio- und Fernsehsendungen, Karten, Musikaufnahmen und vieles andere mehr verzeichnet. Fachlich werden alle Themenbereiche von der Politik bis zu den Naturwissenschaften abgedeckt. Die Integration der wichtigsten Bibliothekskataloge, Verlagsangebote (z.B. des African Books Collective) und Literaturdatenbanken macht Africa-Wide: NiPAD zu einem der mächtigsten Hilfsmittel bei der Literaturrecherche zur Region.

Africa-Wide: NiPAD wird mit DFG-Förderung von der UB Frankfurt/Main auf der „Pay-per-Use-Plattform“ der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB) in München angeboten, um kostengünstige Recherchen in dieser wichtigen laufenden Bibliographie zu ermöglichen. Von jedem Ort Deutschlands aus können EinzelnutzerInnen für ein geringes Entgelt zeitlich begrenzt auf sie zugreifen (5,- € für sechs Stunden). Erforderlich ist dafür eine persönliche Registrierung.


B. Digitale Informationsressourcen und Medien zu Afrika: B.1 Fachbibliographien
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Die folgenden Fachbibliographien beziehen sich entweder speziell auf die Region Afrika ohne fachlichen Schwerpunkt oder sind fachbezogene Instrumente zur Literatursuche, aber nicht auf eine Region beschränkt. Gleichwohl enthalten alle sehr viele wertvolle Nachweise zur Geschichte Afrikas.

Seit 1991 erfasst die Library of Congress in ihrem kenianischen Büro Aufsätze aus über 300 ausgewählten zumeist wissenschaftlichen Zeitschriften, die in 29 Ländern Afrikas erscheinen. Die frei im Netz recherchierbare Datenbank Quarterly Index of African Periodical Literature ist recht einfach gehalten. Es gibt beispielsweise keine Funktionen zum Weiterverarbeiten der Ergebnisse; man muss sich mit „Copy&Paste“ behelfen. Bei der Suche sind ebenfalls einige Stolpersteine zu beachten, wie z.B. die voreingestellte Wortstammsuche oder die Rücksichtnahme auf Groß- und Kleinschreibung. Trotzdem ist sie der wichtigste Zugang zu den in Afrika publizierten und meist mit oft einzigartigen empirischen Daten versehenen Forschungsergebnissen.

Viele lokal produzierte Dissertationen sind über die kostenpflichtige Database of African Theses and Dissertations (DATAD) ermittelbar. Sie verzeichnet Abschluss- und Doktorarbeiten afrikanischer Universitäten mit grundlegenden bibliographischen Informationen (Titel, Autor, Abschluss, Jahr, Betreuer, Universität) und vor allem mit einer ausführlichen Zusammenfassung. DATAD ist ein Projekt der Association of African Universities (AAU) zusammen mit elf Universitäten u.a. in Kampala, Accra, Dar es Salaam und Yaounde.

Die freie, interdisziplinäre Datenbank Africana Periodical Literature Database erfasst Aufsatznachweise aus 521 Zeitschriftentiteln ab 1974. Das Angebot wurde von Davis Bullwinkle, Institute for Economic Advancement Research Library, University of Arkansas-Little Rock, begründet und wird inzwischen vom ASC Leiden fortgeführt. Africabib.org enthält nicht nur bibliographische Nachweise: Wenn der Beitrag frei im Netz vorhanden ist, führt ein Link direkt zum Volltext. Africabib.org ist wiederum eine einfache, aber sehr wertvolle Datenbank.

Ein ganz neues, innovatives Angebot zur Ermittlung elektronischer Volltexte stammt ebenfalls vom ASC Leiden und wird kostenfrei angeboten. Connecting@Africa durchsucht einmal im Monat über 50 verschiedene Dokumentenserver. Die mittels des Open Archives Initiative - Protocol for Metadata Harvesting (OAI-PMH) automatisch erzeugten Metadaten werden von zwei Mitarbeiterinnen daraufhin überprüft, ob die Dokumente tatsächlich in das Sammelprofil passen. Eine stärkere Automatisierung ist nicht möglich, da „Afrika“ in den entsprechenden Klassifikationen der Repositories meist nicht vorkommt und auch Dokumente mit Afrika-Bezug, aber ohne Relevanz für die Afrikastudien, eingesammelt werden. Die Verweise auf Volltexte werden nur aufgenommen, wenn ein dauerhaft beständiger Link vorhanden ist.

Die Internationale Bibliographie der geistes- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur (IBZ) ist eine traditionsreiche, seit 1896 erscheinende, internationale, interdisziplinäre Bibliographie zur wissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur. Die inzwischen bei De Gruyter ReferenceGlobal aufliegende IBZ-ONLINE weist über 3,2 Millionen Aufsätze aus mehr als 11.500 Zeitschriften der Jahre 1983ff. nach. Besonders interessant ist die systematische Sacherschließung. Die Aufsatzdaten werden durch ein Schlagwortsystem unter Berücksichtigung der Personennormdatei (PND) und der Schlagwortnormdatei (SWD) in Deutsch und Englisch erschlossen. So wird ein schneller Zugriff nach inhaltlichen Kriterien unabhängig von der zugrundeliegenden Sprache des Artikels ermöglicht.

Darüber hinaus finden sich viele Literaturhinweise zur afrikanischen Geschichte auch in sozialwissenschaftlichen Datenbanken, die man mit Blick auf den Namen vielleicht als nicht ergiebig einschätzt, wie die lizenzpflichtigen wiso wissenschaften, sozialwissenschaften, International bibliography of the social sciences (IBSS) und die als Nationallizenz bundesweit zugängliche Datenbank Sociological Abstracts (CSA). Alle drei weisen nicht nur Aufsätze, sondern auch Buchtitel in Auswahl nach. Die Sociological Abstracts als eines der umfangreichsten sozialwissenschaftlichen Nachweisinstrumente sollten bei jeder Literaturrecherche – auch zur Geschichte – herangezogen werden. Sie werten ab 1952 etwa 1.800 Zeitschriftentitel, ferner Dissertationen, Konferenzmaterialien und Bücher in Auswahl aus. Seit 2002 erfassen die Sociological Abstracts Fußnoten der Aufsätze („References“). Allerdings werden die Zeitschriften unterschiedlich vollständig ausgewertet.

Das wiederum lizenzpflichtige Web of Science (WoS) im Web of Knowledge beschränkt sich auf die weltweit führenden, häufig zitierten Zeitschriften – die so genannten Kernzeitschriften – eines breiten Fächerspektrums. Die maschinelle Erstellung ermöglicht eine hohe Aktualität der Daten. Wie bei den Sociological Abstracts werden die Literaturangaben der Bibliographie eines Artikels (also die Fußnoten) erfasst. Damit lässt sich die Zitierhäufigkeit eines Werkes oder eines Autors in den Kernzeitschriften ermitteln und quasi durch die Forschung „surfen“: über die Zitate eines Artikels kann die Forschungsentwicklung retrospektiv (nach hinten) verfolgt werden („times cited“), über die Liste der Aufsätze, die einen Artikel zitiert haben, lässt sich die Forschungsentwicklung aber auch prospektiv (nach vorne) verfolgen („cited references“). Über die Datenbank kann durch die Auswertung der Kernzeitschriften als Schnelleinstieg zu einem Thema rasch die einschlägige Literatur aus anerkannten, qualitätsgeprüften Zeitschriften gefunden werden. Schließlich können Standardwerke über ihre Zitierhäufigkeit ermittelt werden.

Für DATAD, IBZ, wiso wissenschaften, IBSS und WoS lohnt sich durchaus eine Recherchereise in die nächste große Bibliothek, die diese Produkte lizenziert hat.


B.2 Fachkataloge zu Websites
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Neben dem mit der ausführlichsten Sacherschließung versehenen Fachkatalog zu Websites von ilissAfrica, dienen die folgenden, teils schon lang etablierten, fachübergreifenden Regionalportale als Einstieg zur Recherche nach weiteren, spezifischen digitalen Ressourcen auch zur Geschichte Afrikas:

Africa South of the Sahara: Selected Internet Resources von Karen Fung, Stanford University Libraries; African Studies Internet Resources als Teil der WWW Virtual Library von Joseph Caruso, Columbia University; Directory of Africa & African Studies betrieben von Peter Limb und Ibra Sene, Michigan State University, unter dem Titel An A-Z of African Studies on the Internet.

Aus dem frankophonen Bereich zu nennen ist Habari: Le portail internet des études africaines, ein Projekt des Centre d'Etude d'Afrique Noire (CEAN) in Bordeaux. Spezielle Links zu Quellen zur Geschichte Afrikas bietet der Research Guide to Primary Sources der University of Washington sowie das Internet African History Sourcebook von Paul Halsall an der Fordham University, New York, mit Links zu einzelnen, verteilt vorgehaltenen Dokumenten. Aus historischer Sicht ebenfalls nützlich ist die Linkliste Africa: Internet links der British Library. Natürlich haben auch viele andere Bibliotheken oder Institutionen mit Afrika-Schwerpunkt gute Linklisten. Die hier vorgestellten Angebote stellen eine notwendigerweise sehr subjektive Auswahl für einen Einstieg dar.

Jenseits der kommentierten Linklisten werden auch neue, innovativere Formen der Erschließung des Internets versucht, etwa in den regelmäßig zu aktuellen Anlässen erscheinenden Web dossiers des ASC Leiden. Für HistorikerInnen interessant sind thematische Zusammenstellungen zu „Nelson Mandela“ (2010) oder „African Studies: Issues and Trends“ (2007). Neben ausgewählten Websites werden auch Publikationen zum Thema benannt.


B.3 Bibliotheken und Bibliothekskataloge
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Die vorhergehenden Abschnitte etwa zu den Fachkatalogen haben schon einige der zur afrikanischen Geschichte einschlägigen Bibliotheken[1] erwähnt. Weitere werden in den folgenden Abschnitten zu den digitalen Spezialsammlungen genannt. Hier sollen nur zwei Meta- bzw. Verbundkataloge vorgestellt werden, die viele dieser Spezialsammlungen einschließen:

Der Karlsruher Virtueller Katalog (KVK) erlaubt die gleichzeitige Suche in vielen nationalen und internationalen Bibliotheksverbünden und Katalogen.

Der WorldCat beinhaltet in einem Katalog die Bestände von über 10.000 Bibliotheken weltweit mit über 1,4 Milliarden Bestandsnachweisen. Hier lassen sich beispielsweise auch die Bestände der starken amerikanischen Afrika-Bibliotheken wie etwa der Northwestern University recherchieren. Afrikanische Bibliotheken sind bisher deutlich unterrepräsentiert.

 


[1] Eine aktuelle Übersicht findet sich unter <http://www.ilissafrica.de/als/iliss-simple.html?query=Bibliothek&search=1>.


B.4 Kommunikationslisten, Blogs, Podcasts
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Für die Zusammenarbeit der Scientific Community ist ein stetiger Informationsfluss über Termine, Konferenzen, Stipendien, Neuerscheinungen usw. notwendig.

Diese Ankündigungen sowie Rezensionen werden über die Mailingliste H-Africa als Fachforum und moderierte Informations- und Kommunikationsplattform für Afrika-HistorikerInnen verschickt. Die Liste ist Teil des H-Net - Humanities & Social Sciences Online, einem internationalen Zusammenschluss von WissenschaftlerInnen der Geistes- und Sozialwissenschaften. In dessen Rahmen sind weitere, speziellere Diskussionsgruppen entstanden, wie H-AfResearch zum Umgang mit den Quellen oder H-West-Africa zur westafrikanischen Geschichte und Kultur.

Zur Vernetzung dienen zudem die anerkannte Expertendatenbank The International Directory of African Studies Scholars (IDASS) an der Columbia University sowie das in Leiden betriebene Angebot zur Personen- und Kontaktsuche Connecting@Africa – letztere zwar mit einem Schwerpunkt auf den Niederlanden, aber mit vielen Experten aus Gesamteuropa.

Africa Past and Present ist ein Podcast zur Geschichte, Kultur und Politik Afrikas. In der Regel werden bedeutende ForscherInnen zu aktuellen Themen oder Neuerscheinungen interviewt, um neueste Forschungsergebnisse oder aktuelle Debatten informativ und breiter zugänglich zu machen. Der Podcast wird von den Historikern Peter Alegi und Peter Limb an der Michigan State University produziert.

Das beste Portal, um über politische und kulturelle Ereignisse auf dem Laufenden zu bleiben, ist das Nachrichtenportal allAfrica.com mit über 1.000 Nachrichten pro Tag von über 130 afrikanischen Zeitungen und Nachrichtenagenturen.


B.5 Hilfsmittel, Nachschlagewerke, Wikis
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Eine große Herausforderung für die Afrika-HistorikerInnen ist es, verlässliche und zitierbare biographische Informationen, exakte Bevölkerungszahlen sowie andere statistische und politische Daten zu afrikanischen Staaten zu bekommen.

Für aktuelle Länderinformationen eignet sich in besonderer Weise das kostenpflichtige Portal Munzinger Online: Wann lebte und regierte eine bekannte Politikerin? Wie heißen die beiden Kongos eigentlich offiziell? Wie groß ist die Fläche Kameruns im Vergleich zu Deutschland? Antworten auf solche und ähnliche Fragen lassen sich schnell mit dem wöchentlich aktualisierten und von einer erfahrenen Redaktion gut recherchierten Munzinger Online (besonders die Bereiche: Länder, Personen, Chronik) beantworten.

Lebensdaten und biographische Informationen (Beruf, Wirkungsort, etc.) von 88.000 Personen lassen sich mit dem Afrikanischen Biographischen Archiv (AfBA) ermitteln. 233 Quellen, die zwischen 1807 und 1993 erschienen sind, wurden hier zitierfähig ausgewertet. AfBA ist Teil des World Biographical Information System (WBIS), mit dessen Hilfe auch andere internationale Archive, z.B. das „Britische Biographische Archiv“, gleichzeitig durchsucht werden können. Die Archive sind in Deutschland als DFG-finanzierte „Nationallizenzen“ von allen wissenschaftlichen Institutionen aus und für registrierte Personen von zu Hause aus frei zugänglich.

Weitere Länderinformationen sind über die Datenbanken CIA World Factbook, die Nationallizenzen Columbia International Affairs Online und die Country Reports der Economist Intelligence Unit (EIU) erhältlich.

Schließlich sind Sprachwörterbücher ein unabdingbares Hilfsmittel für die tägliche Arbeit. Wegen der großen Zahl der Sprachen afrikanischen Ursprungs wird hier auf einen Einzelnachweis verzichtet.

Eine interessante Sammlung von Einführungstexten zu vielen zentralen Themen der afrikanischen Geschichte findet sich in dem geschlossenen Wiki der Lernwerkstatt Geschichte an der Universität Hannover. Empfehlenswert ist auch die Liste von wichtigen Überblicksdarstellungen und Lexika.

Ebenfalls dem Wiki-Modell hat sich das Tutorial African Studies-Informationskompetenz des Frankfurter SSG Afrika südlich der Sahara verschrieben, welches neben einleitenden Informationen zu Strategien der Literatursuche und zum Zugang zu elektronischen Ressourcen viele der auch hier im „Online Guide Afrika“ aufgezeigten Hilfsmittel vorstellt (Gliederung: „Erster Einstieg“, „Schneller Überblick“ und „Vollständige Bibliographie“). Angestrebt sind eine kollaborative Fortentwicklung und eine stärker praxisorientierte, pädagogische Aufbereitung zusammen mit Studierenden.

Eine Einführung der anderen Art ist die in den Jahren 2001 und 2002 ausgestrahlte Radio-Dokumentation der BBC The Story of Africa. 24 30minütige Folgen mit Zeitzeugen-Tondokumenten, sechs Features zu den großen Debatten (z.B. „Sklaverei“, „Kolonialismus“) und zwei HistorikerInnen-Diskussionen stehen online zum Nachhören zur Verfügung – ergänzt um Artikel, weiterführende Literatur und Links.


B.6 Digitale Bildarchive
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Einige Sammlungen historischer Quellen sind inzwischen digitalisiert und damit online verfügbar gemacht. Bei den spezielleren Materialarten[1] dominieren besonders die Bildarchive, von denen drei exemplarisch vorgestellt werden:

53.000 Bilder des ursprünglich von der Deutschen Kolonialgesellschaft (DKG) begonnenen Kolonialen Bildarchivs wurden von der UB Frankfurt/Main mit Fördermitteln der DFG verfilmt und digitalisiert. Das Gebrauchsarchiv diente vor allem der Illustration von Werbevorträgen, für die sich Referenten Vortragsmanuskripte und Dias bei der DKG ausleihen konnten. Leider fehlen oft entscheidende Daten wie Entstehungsjahr und Informationen zum Fotograf, da es nicht mit einer archivischen Zielsetzung angelegt wurde. Enthalten sind 15.000 Bilder der Sam Cohen Library, Swakopmund, Namibia. Insgesamt zeigen mindestens 30.000 historische Fotografien Motive aus Afrika. Die Bilder sind umfangreich inhaltlich erschlossen und die Thesauri wurden von Helene Baumann (†), Duke University, Durham, mit Mitteln von Coutts-Nijhoff International 2004/2005 ins Englische übersetzt.[2]

Die Humphrey Winterton Collection of East African Photographs 1860–1960 ist ein Angebot der Melville J. Herskovits Library of African Studies, Northwestern University, mit über 7.600 Fotos zum Alltag in Ostafrika. Interessant ist hierbei der so genannte „Album-View“, der die Fotos nicht nur als Einzelbild, sondern auch in ihrer physischen Organisation als Album digital zeigt.

Das von der University of Southern California bereitgestellte Internet Mission Photography Archive (IMPA) enthält historisches Bildmaterial der Herrnhuter Brüdergemeine, die als erste protestantische Mission in West- und Südafrika vertreten war. Schwerpunkte liegen auf Nyasa, Nyamwezi (Tansania) und auf den südafrikanischen Gebieten um Kapstadt und Durban. Die meisten Fotos stammen aus der Zeit 1890-1940. Das Evangelisch-Lutherische Missionswerk Leipzig war in Ostafrika aktiv. Schwerpunkte liegen auf Bildern der Missionare Wilhelm Guth (Pare, 1913-17 und 1927-38) und Leonhard Blumer (Arusha, 1912-13 und 1924-26). Ebenfalls in IMPA integriert ist das Bildarchiv von mission21 (vor allem der Basler Mission) mit Abbildungen aus Ghana und Kamerun. 28.400 Bilder von vor 1950 sind digital zugänglich. Weiterhin bietet IMPA Zugang zu Bildern der norwegischen Missionsgesellschaft zu KwaZulu-Natal und Madagaskar sowie der London Missionary Society aus den Archiven der SOAS, ebenfalls zu Madagaskar.

Die Missionsfotos zeichnen sich in der Regel durch eine sehr gute Dokumentation des Entstehungskontextes (Fotograf, Entstehungsjahr usw.) aus. Bedienung, Erschließungsart und -tiefe der verschiedenen Projekte und die technische Umsetzung unterscheiden sich beträchtlich. Bei der Erschließung wurden keine einheitlichen Standards angewandt, was aber auch an dem unterschiedlichen Alter und an den verschiedenen Zielsetzungen der Projekte liegt.

In Afrika gibt es ebenfalls vereinzelt Anstrengungen historische Bilder verfügbar zu machen, z.B. Le fonds ancien en images der Bibliothèque Universitaire d'Antananarivo mit Fotos zur Geschichte Madagaskars, die bis zum Jahr 1863 zurückgehen.

 


[1] Für Karten seien exemplarisch genannt: Maps of Africa to 1900, <http://images.library.illinois.edu/projects/africanmaps>, Historic Maps of Africa, <http://www.davidrumsey.com/directory/where/Africa> sowie <http://africamap.harvard.edu>.

[2] Vgl. <http://www.crl.edu/de/grn/gnarp/current-projects>.


B.7 Spezialsammlungen als Nationallizenzen
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Mit Hilfe von Fördermaßnahmen der DFG wurden seit 2004 abgeschlossene Text- und Datensammlungen erworben und allen wissenschaftlich Interessierten über das Internet kostenlos zugänglich gemacht. Das sind die so genannten Nationallizenzen. Der Zugriff auf die Datenbanken erfolgt entweder über eine Hochschul- bzw. Forschungsbibliothek oder durch Einzelregistrierung.

Die Sammlung Empire Online enthält Quellen- und Datenmaterial in thematischer Gruppierung zum gesamten Themenbereich Kolonialismus und Imperialismus. Zu fünf thematischen Sektionen (Cultural Contacts, 1492-1969; Empire Writing & the Literature of Empire; The Visible Empire; Religion & Empire; Race, Class, Imperialism and Colonialism 1607-2007) gibt es einführende wissenschaftliche Beiträge und Verknüpfungen zu einschlägigen digitalisierten Quellen: etwa 800 Reisebeschreibungen, Plakate, Karten, Fotografien, Briefe, Archivmaterialien usw.). Das Angebot lässt sich besonders gut für die Lehre an der Universität benutzen.

Das große Mikrofiche-Projekt Human Relation Area Files liegt inzwischen in einer Internet-Version vor: eHRAF World Cultures. Zu 200 ethnischen Gruppen (davon 28 zu Afrika) wurden ganze Bücher, ethnographische und teils historische Studien, Reisebeschreibungen und Feldforschungsdaten digitalisiert (insgesamt 500.000 Seiten). Als Besonderheit muss die Indexierung einzelner Absätze innerhalb der enthaltenen Studien erwähnt werden. Die Umwandlung der Mikrofiche-Edition ist noch nicht abgeschlossen, weitere Ethnien werden ergänzt.

Die Volltextsammlung Corpus de la première littérature francophone de l'Afrique noire zur mündlich und schriftlich überlieferten frankophonen Literatur südlich der Sahara vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 1960 umfasst rund 11.000 Texte aller Gattungen (u.a. Romane, Erzählungen, Gedichte, Dramen, Lieder, Sagen, Rätsel), darunter ein Großteil an seltenen und schwer zugänglichen Materialien. Rund 20 Länder und über 100 ethnische Gruppen werden abgedeckt. Neben den eigentlichen Texten beinhaltet die Datenbank auch den vollständigen kritischen Apparat sowie Anmerkungen und Kommentare der zugrunde liegenden Referenzausgaben. Gerade der Bereich mündliche Überlieferung ist auch für HistorikerInnen von größtem Interesse.

Das Digital National Security Archive der U.S.A. bietet eine Sammlung von Primärdokumenten zur US-Außen- und Militärpolitik seit 1945. Hier ist besonders die Sammlung „South Africa: The Making of U.S. Policy, 1962-1989“ zu nennen.

Die Eighteenth Century Collections Online enthalten mindestens 450 digitalisierte Monographien – etwa die Reiseberichte von Francois LeVaillant und Mungo Park –, The Making of the Modern World schließlich über 500, zum Beispiel zu Liberia.


B.8 Weitere digitale Editionen
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Die großen Nationalbibliotheken in den USA, in Frankreich und in England haben mit verschiedenen Digitalisierungsprojekten auch Material aus und über Afrika online verfügbar gemacht. Die British Library hat sich besonders mit den Endangered Archive-Projekten verdient gemacht. Über Gallica als virtueller Bibliothek der Bibliothèque nationale de France wurden unter dem Titel Voyages en Afrique Berichte von Afrikareisenden verfügbar gemacht: 900 Textdokumente (teilweise ganze Bücher als Volltext), 30 Zeitschriften, 80 Landkarten, 20 Stunden Tonmaterial und 6.500 Fotos vom gesamten Kontinent. Die Library of Congress in Washington präsentiert in einer Online-Ausstellung Manuskripte in arabischer Schrift aus Timbuktu (Ancient Manuscripts: From the Desert Libraries of Timbuktu).[1] In der World Digital Library sind 120 digitalisierte Originalquellen aus und zu Afrika zu finden.

Die von der Michigan State University aufgebaute African Online Digital Library (AODL) arrangiert mehrsprachiges und multimediales Quellenmaterial in Galerien. Innerhalb der „West African Online Digital Library“ finden sich beispielsweise Textsammlungen über AIDS in West Afrika, Bilder über den Sufismus im Senegal und Tonaufnahmen in Pulaar mit Übersetzungen des „Fuuta Tooro Oral History Projects“.

Die Sammlung der University of Wisconsin mit dem Titel Africa Focus: Sights and Sounds of a Continent eröffnet den Zugang zu über 3.000 Dias, 500 Fotografien und 50 Stunden Tonmaterial aus 45 afrikanischen Ländern. Themen sind u.a. Sklaverei und christliche Missionierung.

Das Portal Memória de África der Fundação Portugal-África in Zusammenarbeit mit der Universität von Aveiro verweist auf Volltextdokumente (Büchern, Zeitschriften) und viele alte Fotografien aus den lusophonen Ländern Afrikas, vorrangig zu Kolonialzeiten. Enthalten sind beispielsweise die Sammlungen „Álbuns Fotográficos e Descritivos da Colónia de Moçambique“, „Arquivo Histórico de S. Tomé“ oder das „Boletim Cultural da Guiné Portuguesa“. Insgesamt sind es über 240.000 Seiten sowie 1.700 Bücher und Zeitschriften.

Digital Innovation South Africa (DISA) an der University of KwaZulu-Natal sammelt und digitalisiert historische Dokumente zur Geschichte in Südafrika. Hauptförderer war die Andrew W. Mellon Foundation, die zunächst die Digitalisierung von 45 Zeitschriften (wie „FOSATU Worker News“, „Clarion Call“, „Grassroots“ oder „African Communist“) unter dem Titel “South Africa’s Struggle for Democracy: Anti-Apartheid Periodicals, 1960-1994” finanzierte. In einer zweiten Förderphase kam multimediales Archivmaterial (Briefe, Poster, Interviews, Oral Histories, Reden usw.) zum Freiheitskampf und zur Gewerkschaftsbewegung dazu, jetzt unter dem Titel “Southern African Freedom Struggles, c.1950-1994”. Die umfangreichen Materialen wurden von WissenschaftlerInnen ausgewählt, sind online frei zugänglich und bilden eine erstrangige Quelle zur Geschichte Südafrikas.

Aufbauend auf DISA erweitert die internationale Initiative ALUKA das Projekt um Dokumente aus anderen Ländern der Region Südafrika unter dem Titel „Struggles for Freedom in Southern Africa“. ALUKA baut eine kostenpflichtige digitale Bibliothek mit Quellen- und Literaturmaterialien aus und über Afrika auf und versucht, eine sehr große Vielfalt an Quellen zusammenzubinden. Zusätzlich fördert und finanziert ALUKA Digitalisierungsprojekte in Afrika[2] und arbeitet daran, dort eine entsprechende nachhaltige Infrastruktur aufzubauen. Bisher gibt es drei große Themenkomplexe. Für HistorikerInnen von Interesse sind neben den 17.000 Objekten zum Freiheitskampf vor allem 30.000 digitale Objekte von „African Cultural Heritage Sites and Landscapes“ (etwa 3-D-Modelle). Zurzeit läuft die Lizenzierung der einzelnen Themenkomplexe von ALUKA über Journal Storage - The Scholarly Journal Archive (JSTOR).

South African History Online schließlich ist eines der größten Portale zur Geschichte Südafrikas mit umfangreichem Quellenmaterial (zum Beispiel historischen Postkarten, Briefen, Interviews, Büchern) sowie diversen Zeitleisten.

 


[1] <http://www.loc.gov/exhibits/mali> Die Manuskripte wurden von den Bibliotheken „Mamma Haidara de Manuscrits et la Documentation“ und „Cheick Zayni Baye of Boujbeha“ zur Verfügung gestellt. Weitere Hintergrundinformationen bietet <http://international.loc.gov/intldl/malihtml/malihome.html>.

[2] Vgl. Deirdre Ryan, Aluka: digitization from Maputo to Timbuktu, in: OCLC Systems&Services: International digital library perspectives 26 (2010), 1, S. 29-38.


B.9 Elektronische Zeitschriften
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Das Hamburger GIGA als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft hat die Zeitschrift Africa Spectrum mit Hilfe eines DFG-Pilotprojekts in eine Open Access-Zeitschrift umgewandelt. Das ist im Bereich der Afrikastudien ein Paukenschlag, zumal Africa Spectrum das Verbandsorgan der VAD ist. Es ist die erste Umwandlung einer etablierten, kostenpflichtigen, begutachteten und international indexierten Print-Zeitschrift. Technisch wird die Online-Zeitschrift von „Hamburg University Press”, dem Online-Verlag der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, betrieben. Als reine Open Access-E-Journals waren Afrikanistik Online (Universität zu Köln) und African Studies Quarterly. The Online Journal for African Studies (University of Florida) die Pioniere.

Als Einstiegsseite zu digitalen Zeitschriften mit Informationen zur Lizenzsituation bietet sich der Afrika-Ausschnitt der EZB in ilissAfrica an.

Über die DFG-Förderung der Nationallizenzen sind einige wichtige Afrika-Zeitschriften in Deutschland frei zugänglich, allerdings ohne die aktuellen Jahrgänge: Der historische Zeitschriftenindex Periodicals Index Online ermöglicht die Recherche in den Inhaltsverzeichnissen von über 65 Afrika-Zeitschriften. In dem eng mit dem Periodicals Index Online (PIO) verknüpften Angebot Periodicals Archive Online (PAO) sind sieben Volltext-Zeitschriften zu den Regionalstudien enthalten, z.B. „Africa“ (1928-2000) und „Journal of African Studies“ (1974-1988). Das „Journal of African History“ und das „Journal of Modern African Studies“ sind über das Cambridge Journals Digital Archive zugänglich, „African Affairs“ bis 1995 über Oxford Journals Digital Archive, „African Archaeological Review“ bis 2001 über Springer Online Journal Archives. Aufsätze in italienischen wissenschaftlichen Zeitschriften finden sich über Editoria Italiana Online / Periodici.[1]

Das frei zugängliche African e-Journals Project (AeJP) – wiederum angesiedelt an der Michigan State University – hat in Kooperation mit der AAU elf afrikanische, sozialwissenschaftliche Zeitschriften digitalisiert und außerdem 1.900 afrikanische Zeitschriftentitel verzeichnet.

JSTOR ist ein kostenpflichtiges Archiv digitalisierter Zeitschriften aus allen Wissensgebieten. Mehr als 1.600 Zeitschriften vom ersten Jahrgang bis zu einer so genannten „moving wall“ (je nach Titel bis zu zwei bis fünf Jahren vor dem aktuellen Jahrgang) sind verfügbar. 36 Titel gehören explizit zu den Afrikastudien, beispielsweise „African Affairs“ (1944-1999), das „Journal of the Royal African Society“ (1901-1944) und das für Historiker sehr einschlägige „Canadian Journal of African Studies“ (1967-2000).

Ebenfalls kostenpflichtig ist die Datenbank African Journals OnLine (AJOL) – gleichzeitig eine Non-Profit-Organisation in Südafrika –, die den Zugang zu in Afrika erscheinenden wissenschaftlichen Zeitschriften erleichtern will. Im Bereich Geschichte werden von AJOL das „Lagos Historical Review“, das „Nigerian Journal of Economic History“ sowie das „South African Journal of Cultural History“ gehostet. Insgesamt sind es 370 begutachtete Zeitschriften aus 27 afrikanischen Ländern.

Schließlich sei auf den südafrikanischen Anbieter Sabinet hingewiesen. Durch die Förderung der DFG konnten 17 elektronische Zeitschriften lizenziert werden, die bisher in Deutschland nicht zugänglich waren. Alle diese Zeitschriften stehen der Fernleihe zur Verfügung. Drei Zeitschriften haben einen historischen Schwerpunkt: „CABO“ (Westkap), „Historia“ und „Journal for Contemporary History“.

 


[1] <http://www.nationallizenzen.de/angebote>.


B.10 Elektronische Publikationen
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Genuine elektronische Publikationen, vor allem elektronische Dissertationen, werden in Europa und Amerika immer üblicher. Die entsprechende technische Infrastruktur ist gegeben und die Dokumente sind über Bibliothekskataloge und Projekte wie Connecting@Africa in großem Umfang nachgewiesen. Dagegen ist die Ausstattung von afrikanischen Universitäten mit Institutional Repositories stark ausbaufähig. 2009 waren 24 solcher afrikanischer Dokumentenserver im Directory of Open Access Repositories (Open Doar) verzeichnet. Davon werden 16 von südafrikanischen Institutionen betrieben, weitere gibt es in Simbabwe, Cape Verde, Namibia, Kenia und Uganda sowie ein paar wenige, die nicht in Open Doar gelistet sind, in Mozambique und Malawi. Sie enthalten vor allem Dissertationen, aber auch Aufsätze und Vorträge.[1] Eines der jüngsten ist das Repository der University of Nigeria Nsukka.

Nicht mehr weiter ausgebaut zu werden scheint das Projekt Electronic Supply of Academic Publications to and from Universities in Developing Regions (eSap). Es enthält Aufsätze von ForscherInnen aus zehn ostafrikanischen Universitäten. Der Dokumentenserver war ein Projekt der „International Association of University Presidents“ und der „International Federation of Catholic Universities“. Die meisten Beiträge sind 2004 hochgeladen worden.

Einzelne freie, elektronische Dokumente aus Afrika sammelt die UB Frankfurt/Main mit Hilfe einer aus SSG-Erwerbungsmitteln finanzierten wissenschaftlichen Hilfskraft ein. Besonderes Augenmerk wird auf Dokumente gelegt, deren dauerhafte Existenz im Netz nicht gesichert ist (etwa durch Reorganisation des Hochschulwesens, durch eine problematische informationstechnische Infrastruktur oder durch politische Krisen in afrikanischen Staaten). Mit Einverständnis der Urheber werden frei angebotene Forschungstexte – etwa Bibliographien, Geschichtsdarstellungen kleiner Dörfer usw. – im PDF-Format zusätzlich auf dem OPUS-Dokumentenserver der UB Frankfurt/Main namens Edocs gespeichert, um die Zugänglichkeit zu diesen Dokumenten langfristig zu gewährleisten. Die Dateien werden für den OPAC und ilissAfrica katalogisiert. Gleichwohl muss zugestanden werden, dass es sich hierbei angesichts der Größe Afrikas und der Vielzahl an Staaten um sehr punktuelle Aktivitäten handelt.

 


[1] Marco Guadagnino / Ansie van der Westhuizen, Repositories and Research Communication Challenges in Africa, Vortrag auf der ECAS 3 Tagung in Leipzig am 4.6.2009, <http://www.uni-leipzig.de/~ecas2009/index.php?option=com_docman&task=doc_download&gid=1622&Itemid=24>.


Fazit
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Trotz der vielen und teils sehr beeindruckenden Digitalisierungsprojekte werden sich die Afrika-HistorikerInnen auf absehbare Zeit noch lange auf den Weg in die Bibliotheken und Archive machen müssen. Das liegt zum einen an der schieren Größe und Vielfalt Afrikas und zum anderen an der marginalen Position Afrikas in Wissenschaft und Politik. Die zahlenmäßig sehr begrenzte potentielle Nutzerschaft macht es schwer, Fördergelder zu mobilisieren. Eine Verbesserung wird sicher durch ein Projekt wie „Google Books“ erreicht werden, zumal hier die Afrika-Bibliothek der Northwestern University mitmacht.

Vor allem ist aber die Situation der WissenschaftlerInnen und auch der InformationsspezialistInnen im subsaharischen Afrika mit der Ausnahme Südafrika immer noch höchst prekär: Die Bibliotheken sind schlecht ausgestattet. Die Versorgung afrikanischer Forschungsinstitutionen mit Computertechnologie und Internet-Anschlüssen wird zwar besser, ist aber immer noch ausbaufähig. Viele der lokal entstehenden Websites, etwa von Parteien und anderen gesellschaftlichen Organisationen, sind aus finanziellen oder politischen Gründen nicht langfristig verfügbar. Wichtige Quellenbestände gehen der Wissenschaft so schnell verloren.

Nicht nur wegen der lokalen ForschungspartnerInnen in Afrika kann die Afrika-Forschung in Deutschland nicht losgelöst von der Wissenschaft vor Ort gesehen werden. Es ist im Interesse der deutschen Afrika-Forschung, dass WissenschaftlerInnen in afrikanischen Ländern einen besseren Zugriff auf aktuelle Forschungsergebnisse bekommen und sich leichter an der wissenschaftlichen Diskussion beteiligen können.

Die internationale Sichtbarkeit von Forschungsergebnissen aus Afrika muss verbessert werden. Die aktive Unterstützung der Open-Access-Bewegung und der Nachweis lokaler af-rikanischer Initiativen zur Verbesserung der digitalen Informationsversorgung (z.B. AJOL) sind wertvolle Beiträge, die etwa ilissAfrica dazu leisten kann.

Umgekehrt müssen Inhalte, die in amerikanischen oder europäischen Projekten entstehen, auch lokal verfügbar gemacht werden. Einen Weg bietet beispielsweise das Projekt eGranary Digital Library der University of Iowa. Ausschnitte des Internets werden dort auf Festplatten gespeichert und an afrikanische Institutionen zur Integration in deren lokale Netzwerke geliefert. Informationen, welche elektronischen Datenbanken und Zeitschriften in Afrika kostengünstig oder kostenfrei angeboten werden, sind über den Open Access Guide der ilissAfrica erhältlich.

Ziel all dieser Bemühungen, ist es den „digital divide“ abzumildern. Digitalisierungsaktivitäten vor Ort sollten unterstützt werden. Ein Beispiel ist der Versuch des senegalesischen Professors für moderne Geschichte und Direktor des Historischen Seminars an der Université Cheikh Anta Diop in Dakar, Ibrahima Thioub, alle 463 Abschlussarbeiten am Institut (thèses) seit 1963 zu digitalisieren. Das seit 2004 mit einem Computer und einem Scanner begonnene Projekt ist ein Unterfangen für die Ewigkeit und ein Kampf gegen den physischen Verfall der Druckwerke.

Ein weiteres Desiderat ist eine stärkere gegenseitige Wahrnehmung von ForscherInnen, die sich jeweils entweder nur mit dem frankophonen oder nur mit dem anglophonen Kulturkreis in Afrika auskennen. Online-Angebote der einen Gruppe sind der anderen meist unbekannt. Hier schaffen mehrsprachige Portale immerhin eine verbesserte Ausgangsposition.

Außerdem wäre eine bessere Koordination der vielfältigen Projekte wünschenswert. Im Bereich der Bildarchive wird beispielsweise durch unterschiedliche Metadaten eine qualifizierte Metasuche erschwert. Auch die vielen unterschiedlichen Lizenzmodelle und die aufgrund komplexer Urheberrechte teils gestuften Zugangsoptionen erleichtern einem den Weg zum digital vorhandenen Dokument nicht. Der begonnene Dialog, die Projekte der Forschungsinstitutionen, Archive und Bibliotheken zu vernetzen, sollte unbedingt fortgeführt und intensiviert werden.

Für die deutsche Afrikageschichte ist die Versorgung mit afrikanischen Tageszeitungen nur sehr unzureichend. Hier wäre ein Modell interessant wie es in den USA mit dem „Cooperative African Newspapers Project“ praktiziert wird. Die African Newspapers Union List (AFRINUL) weist die nordamerikanischen Bestände an Zeitungen nach, die im subsaharischen Afrika publiziert werden. Vorbildlich ist auch das „Cooperative Africana Microform Project” (CAMP) des Center for Research Libraries, welches teure Mikroform-Sets erwirbt bzw. Verfilmungen von unikalem Material organisiert und den teilnehmenden Bibliotheken zur Ausleihe zur Verfügung stellt.

Abschließend sei betont, dass es zwar viele, sehr gute Instrumente zur bibliographischen Recherche gibt, aber die Digitalisierungsaktivitäten von Quellenmaterialien aus und über Afrika noch sehr steigerungsfähig sind.


Literaturhinweise
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Literaturhinweise zur Geschichte Afrikas

Winfried Speitkamp, Kleine Geschichte Afrikas, 2. Aufl., Stuttgart 2009.

Richard J. Reid, A history of modern Africa, Malden 2009.

Leonhard Harding, Geschichte Afrikas im 19. und 20. Jahrhundert, 2. Aufl., München 2005 (OGG).

Christoph Marx, Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart, Paderborn 2004 (UTB).

John Iliffe, Geschichte Afrikas, 2. Aufl., München 2003.

Albert Wirz / Jan-Georg Deutsch (Hrsg.), Geschichte in Afrika. Grundprobleme und Debatten, Berlin 1998.

Literaturhinweise zur Geschichtswissenschaft in und über Afrika

Isidore Ndaywel è Nziem (Hrsg.), Images, mémoires et savoirs. Une histoire en partage avec Bogumil Koss Jewsiewicki, Paris 2009.

Andreas Eckert, 'To make students aware of the general history of Africa.' Geschichtswissenschaft und universitäre Lehre im Fach Geschichte in Afrika, in: Gabriele Lingelbach (Hrsg.), Vorlesung, Seminar, Repetitorium. Universitäre geschichtswissenschaftliche Lehre im historischen Vergleich, München 2006, S. 291-324.

Ebiegberi Joe Alagoa, The practice of history in Africa. A history of African historiography, Port Harcourt 2006.

Hartmut Bergenthum, Geschichtswissenschaft in Kenia in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Münster 2004.

Wolfgang Kaese, Akademische Geschichtsschreibung in Nigeria. Historiographische Entwicklung und politisch-soziale Hintergründe, ca. 1955-1995, Münster 2000.

Andreas Eckert, Historiker, 'nation building' und die Rehabilitierung der afrikanischen Vergangenheit. Aspekte der Geschichtsschreibung in Afrika nach 1945, in: Jörn Rüsen u.a. (Hrsg.), Geschichtsdiskurs V, Frankfurt am Main 1999, S. 162-187.

Jean-Pierre Chrétien / Jean-Louis Triaud (Hrsg.), Histoire d'Afrique. Les enjeux de mémoire, Paris 1999.

H. M. Kirk-Greene (Hrsg.), The Emergence of African History at British Universities, Oxford 1995.

Bogumil Jewsiewicki / V. Y. Mudimbe (Hrsg.), History Making in Africa, Middletown 1993 (History and Theory, Beiheft 32).

Bogumil Jewsiewicki / David Newbury (Hrsg.), African Historiographies. What History for Which Africa? Beverly Hills 1986.

Literaturhinweise für die Recherche zu Afrika

John McIlwaine, Africa. A guide to reference material, 2. Aufl., Lochcarron 2007.

Hans M. Zell, The African studies companion. A guide to information sources, 4. Aufl., London 2006.

Alfred Kagan, Reference guide to Africa. A bibliography of sources, 2. Aufl., Lanham, Md. 2005.

Nadia Cohen / Thomas Siebold, Recherchieren im digitalen Zeitalter. Virtuelle Fachbibliothek ilissAfrica, in: Periplus. Jahrbuch für außereuropäische Geschichte 19/2009, S. 148-151.

Hartmut Bergenthum, „Ozeanien“ und „Afrika südlich der Sahara“. Zwei Sammlungen in der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main mit bundesweitem Versorgungsauftrag, in: Jahrbuch für Europäische Überseegeschichte 8 (2008), S. 239-252.

Irmtraud Dietlinde Wolcke-Renk, Afrika südlich der Sahara (SSG 6,31). Aus der Afrika-Abteilung der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main, Frankfurt 2004.

Hans Zell, Publishing in Africa: Where are we now? Part one, in: LOGOS 19 (2008), 4, S. 187- 195, Part two, in: 20 (2009), 1, S. 169-179.

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