In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es keine auf die Unternehmensgeschichte spezialisierten Forschungszentren. Vielmehr sind es hier traditionell einige Lehrstühle für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die das Fach besonders pflegen – sowie in letzter Zeit außerdem einige Lehrstühle für Zeitgeschichte bzw. Neuere und Neueste Geschichte.
Der
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Frankfurt am Main, geleitet von Werner Plumpe, widmet der modernen Unternehmensgeschichte besondere Aufmerksamkeit. In verschiedenen Forschungsprojekten geht es hier nicht zuletzt um die Verknüpfung von ökonomischer Theorie und unternehmerischer Praxis. Am
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Göttingen, geleitet von Hartmut Berghoff, wird Unternehmensgeschichte als Gesellschaftsgeschichte verstanden, also in einen breiten ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Kontext eingebettet. Besondere Schwerpunkte liegen hier auf der Marketing- und Konsumgeschichte. Am
Lehrstuhl für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte der Ruhr-Universität Bochum setzt Dieter Ziegler mit seinen Mitarbeitern unternehmensgeschichtliche Akzente auf die regionale Industrie, die Rüstungs- und Besatzungswirtschaft, die Verbraucher- und nicht zuletzt die Bankengeschichte. Am
Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität zu Köln steht unter der Leitung von Toni Pierenkemper ebenfalls die Unternehmens- und Bankengeschichte, vornehmlich des 19. Jahrhunderts, im Mittelpunkt des Forschungsinteresses. Die von Susanne Hilger geleitete
Abteilung Wirtschaftsgeschichte der Universität Düsseldorf legt einen Schwerpunkt auf die international vergleichende Unternehmensgeschichte. Der
Lehrstuhl Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Konstanz, geleitet von Clemens Wischermann, befasst sich mit Fragen der Unternehmenskommunikation, Unternehmenskultur und Unternehmernachfolge. Am Bielefelder
Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Wirtschaftsgeschichte setzt Werner Abelshauser den Akzent auf Fragen des langfristigen institutionellen Wandels von industriellen Produktionsregimen und Unternehmen. Am
Seminar für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Mannheim geht Christoph Buchheim im Zusammenhang mit Forschungen zur deutschen Industrie im Nationalsozialismus u.a. der Frage nach, wie sich das Entscheidungshandeln von Unternehmern in dieser Zeit veränderte. Wilfried Feldenkirchen, Inhaber des
Lehrstuhls für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg, befasst sich mit Unternehmerbiographien, Unternehmensstrukturforschung und vergleichender Unternehmensgeschichte.