Bibliographie zu lesbischen Frauen in der NS-Zeit

Von

Anna Hájková

Die Verfolgung der lesbischen Frauen in der NS-Zeit ist bis heute ein Thema, das sowohl wenig beforscht als auch umstritten ist. Es gilt weitgehend immer noch, was Jens Dobler 2009 feststellte: „diese Geschichtsschreibung [ist] bis heute nicht universitär verankert und wird staatlicherseits kaum gefördert. […] Viele hervorragend ausgebildete und spezialisierte lesbische und schwule Historikerinnen und Historiker können nicht in ihrem ‚Fach‘ arbeiten, weil es keine Finanzierung gibt.” (Verzaubert im Nord-Ost, S. 8, alle Hinweise siehe Bibliographie). Auch wenn Forscher wie Martin Lücke und Benno Gammerl wichtige Ausnahmen darstellen, kann man dennoch festhalten, dass diese akademische Vernachlässigung besonders für die Situation lesbischer Frauen im Dritten Reich bemerkbar ist. Bis heute liegt mit Claudia Schoppmanns „Nationalsozialistische Sexualpolitik und weibliche Homosexualität“ eine einzige Monographie zu dem Thema vor, die allerdings vergriffen ist und deren Verlag mittlerweile nicht mehr existiert. Nach wie vor tun sich sowohl die deutsche Geschichtswissenschaft als auch die Gedenkstätten schwer mit queeren und feministischen Forschungsperspektiven: Sie werden nicht finanziert, nicht rezipiert, ja nicht einmal übersetzt, vor allem aber nicht für relevant gehalten. So wurde Laurie Marhoefers zentraler Aufsatz aus der American Historical Review nur wenig in Deutschland rezipiert, von einer Übersetzung ganz zu schweigen. All das trägt dazu bei, dass bis heute um die Anerkennung der Verfolgung lesbischer Frauen, auch deren Verfolgung als lesbische Frauen, gestritten wird. In der Praxis wirkt es sich dahingehend aus, dass es bis heute kein Gedenken an die lesbischen Opfer, etwa in der Gedenkstätte Ravensbrück, geben darf. Die mangelnde Rezeption der Forschung zu lesbischen Frauen liegt zum Teil auch daran, dass manche der Texte entlegen oder als nur beschränkt verfügbare Qualifikationsarbeiten publiziert worden sind. Ohne Zugriff auf Fernleihe sind diese Texte kaum zu besorgen. Wenn man unter Zeitdruck recherchiert — was gerade bei der Zusammenstellung von Syllabi häufig der Fall ist — hilft Fernleihe nicht weiter. Die Nicht-Einbeziehung der Verfolgung der queeren Frauen in die Lehrpläne der beliebten Seminare zum Nationalsozialismus und Holocaust bedeutet dann wiederum, dass die Studierenden sich des Themas zumeist gar nicht bewusst werden. Aus diesem Grund stellte Anna Hájková eine Bibliographie zu lesbischen und trans Frauen in der NS-Zeit zusammen. Die Bibliographie beinhaltet, sofern Rechte besorgt werden konnten, pdfs der Texte. Auch wenn es eines der Anliegen der Bibliographie ist, die Verfolgung lesbischer Frauen zu dokumentieren, beinhaltet die Bibliographie auch Hinweise auf Literatur, die anders argumentiert; die Leser_innen sollen selbst einen Eindruck gewinnen können, auch über die Entwicklung der Historiographie. Die Website versteht sich als work in progress und die Autorin freut sich über weitere Hinweise und pdfs. Bisher ist die meiste Literatur auf Deutschland und Österreich fokussiert, es wäre aber schön, Literatur zu anderen Ländern einbeziehen zu können. Die erwähnten Texte, egal ob akademisch, populärwissenschaftlich oder literarischen Charakters sollten publiziert sein bzw. Bachelor-, Diplom- oder Doktorarbeiten sein. Vorträge, soweit nicht auf Youtube o.a., können nicht einbezogen werden.
Veröffentlicht durch

University of Warwick, Schwules Museum

Sprache

Englisch, Deutsch

Land

Deutschland

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