Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Institut für Geschichte

TU Darmstadt

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Darmstadt

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Forschung und Projekte

Derzeitige Position(en)

Eigene Stelle im DFG-Projekt "Computerisierung als Herausforderung der Gewerkschaftsbewegung: das Beispiel der Druckindustrie", TU Darmstadt

Aktuelle(s) Projekt(e)

Computerisierung als Herausforderung für die Gewerkschaftsbewegung: das Beispiel der Druckindustrie
Im Forschungsprojekt sollen technologische, soziale und kulturelle Umwälzungen in der Druckindustrie der 1970er und 1980er Jahre zum Ausgangspunkt einer Untersuchung der Entstehung und Entwicklung der Krise der Gewerkschaften genommen werden. Die Druckbranche eignet sich besonders für eine solche Studie, da sie von einer hochqualifizierten und in hohem Grade gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft geprägt war, weshalb die IG Druck und Papier eine besonders starke Position innehatte. Der Untersuchungszeitraum reicht von den 1950er Jahren, als die Branche den Wandel vom noch stark handwerklich geprägtem Druckgewerbe zur Druckindustrie durchlief, bis in die Mitte der 1980er Jahre. Der Schwerpunkt der Studie liegt in den von der Einführung der Computertechnologie geprägten 1970er und frühen 1980er Jahre; einen vorläufigen Abschluss des Prozesses der Computerisierung markierte die Etablierung des Desktop Publishings ab 1985.
Im Zentrum des Projektes steht die Frage welche Rolle der technologische Wandel für die Krise der Gewerkschaften spielte, die in der Forschung zumeist durch den soziostrukturellen Wandel erklärt wird. Die Automatisierung der Arbeit, die sich in der Druckindustrie v.a. in der Form der Computerisierung zeigte, stellte eine Herausforderung für die Gewerkschaften in verschiedener Hinsicht dar: Erstens geriet – im diskursiven Bereich – die gewerkschaftliche Überzeugung von der sozialen Gestaltbarkeit technologischen Wandels ins Wanken. Diese traditionelle Fortschrittsgläubigkeit der Arbeiterbewegung wurde im Kontext der forcierten Automatisierung erstmals breiter intern diskutiert. Zweitens – im Bereich der Technologiepolitik und der gewerkschaftlichen Aktionsformen – wurde die wichtigste Form der gewerkschaftlichen Machtbasis, der Streik, durch die neuen Möglichkeiten der Computerisierung deutlich geschwächt, weil nun eine Auslagerung der Produktion und eine größere Unabhängigkeit von Facharbeitern möglich wurde. Drittens – in der Selbstwahrnehmung der Arbeiter – wurde die über Jahrzehnte in der Druckbranche vorherrschende Vorstellung, einer „Arbeiteraristokratie“ anzugehören, mit dem Umgestaltungen im Zuge des technologischen Wandels obsolet. Das klare Selbstbild vom Facharbeiter, das eine wichtige Ressource – das Selbstverständnis der Kernmitgliedschaft – für die Gewerkschaften ausmachte, spaltete sich in eine Vielzahl neuer Qualifikationsprofile und Selbstbilder auf. Es wird zu zeigen sein, inwieweit diese drei Bereiche miteinander verknüpft waren und Veränderungsprozesse in einem Bereich Auswirkungen auf einen anderen Bereich zeitigten.
Die Akteure dieser Prozesse werden auf drei miteinander im Austausch befindlichen Ebenen untersucht: lokal, national und international. Auf lokaler Ebene werden einzelne Ortsvereine und Betriebsräte in den Blick genommen, auf nationaler Ebene die IG Druck und Papier und der Deutsche Gewerkschaftsbund und auf internationaler Ebene das Berufssekretariat Internationale Grafische Föderation und der Europäische Gewerkschaftsbund. Der Automatisierungsdiskurs wurde bereits seit den sechziger Jahren auf europäischer Ebene geführt, in den konkreten Arbeitsauseinandersetzungen der siebziger Jahre kam es darüber hinaus zur Absprache von internationalen Solidaritätsstreiks in Reaktion auf die Verlagerung der computerisierten Produktion über Ländergrenzen hinweg. Wesentliches Ziel ist es auch, zu untersuchen, inwieweit die möglicherweise technikinduzierte Gewerkschaftskrise zu einer forcierten Europäisierung der Gewerkschaftsbewegung führte.

Frühere Position(en)

Vertretung des Lehrstuhls für Technikgeschichte, TU Darmstadt
Eigene Stelle im DFG-Projekt "Computerisierung als Herausforderung der Gewerkschaftsbewegung: das Beispiel der Druckindustrie", Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Lehrkraft für besondere Aufgaben, TU Darmstadt, Institut für Geschichte
Wissenschaftlicher Mitarbeiter, TU Darmstadt, Institut für Geschichte
Wissenschaftlicher Mitarbeiter der TU Darmstadt, Institut für Soziologie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Stipendiat im DFG Graduiertenkolleg "Geschlechterdifferenz & Literatur", München

Veröffentlichungen

Monographien (und Dissertation)

Uhl, Karsten. Humane Rationalisierung? Die Raumordnung der Fabrik im fordistischen Jahrhundert, Bielefeld 2014.
Uhl, Karsten. Das "verbrecherische Weib". Geschlecht, Verbrechen und Strafen im kriminologischen Diskurs 1800-1945, Hamburg, Münster, London 2003.

Artikel

Uhl, Karsten: Visionen der Arbeit im Nationalsozialismus: Automatisierung und Menschenführung in der Leistungsgemeinschaft, in: Franziska Rehlinghaus u. Ulf Teichmann (Hg.): Vergangene Zukünfte von Arbeit. Aussichten, Ängste und Aneignungen im 20. Jahrhundert, Bonn: Dietz 2019, S. 107-126.
Uhl, Karsten: Rationalisierung, Humanisierung und Subjektivierung. Die moderne Architektur und die Formung des Industriearbeiters über die Gestaltung der Arbeitsumwelt, in: „Die Welt neu denken“. Beiträge aus dem Eröffnungssymposium 100 Jahre Bauhaus im Westen, hg. v. Dagmar Kift, Joachim Hennecke u. Thomas Schleper, Münster: Aschendorff 2020, S. 61-67.
Uhl, Karsten: Die Wirkungsmächtigkeit technokratischen Wissens in Döblins frühen Berlin-Texten (1914-1929), in: Internationales Alfred-Döblin-Kolloquium Cambridge 2017. Natur, Technik und das (Post-)Humane in den Schriften Alfred Döblins, hg. v. David Midgley u. Steffan Davies (Jahrbuch für Internationale Germanistik), Berlin u.a.: Peter Lang 2019, S. 93-113.
Uhl, Karsten: Der Erste Weltkrieg als Ausgangspunkt der Humanisierung des Arbeitslebens. Der Beginn des staatlichen und unternehmerischen Interesses am „menschlichen Faktor“ in der Produktion, in: „Humanisierung der Arbeit“. Aufbrüche und Konflikte in der rationalisierten Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts, hg. v. Nina Kleinöder, Stefan Müller u. Karsten Uhl, Bielefeld: transcript 2019, S. 35-57.
Uhl, Karsten: Eine lange Geschichte der „menschenleeren Fabrik“. Automatisierungsvisionen und technologischer Wandel im 20. Jahrhundert, in: Marx und die Roboter. Vernetzte Produktion, künstliche Intelligenz und lebendige Arbeit, hg. v. Florian Butollo u. Sabine Nuss, Berlin: Dietz 2019, S. 74-90.
Uhl, Karsten/Zumbrägel, Christian: Technikgeschichte des Körpers. Plädoyer für eine nutzerzentrierte Analyse verkörperter Machtverhältnisse, in: Body Politics. Zeitschrift für Körpergeschichte, 6 (2018), H. 9, S. 15-45.
Uhl, Karsten: Michel Foucault, Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, in: Christina Schlepper/Jan Wehrheim, Hg.: Schlüsselwerke der Kritischen Kriminologie, Weinheim: Beltz Juventa, S. 237-247.
Uhl, Karsten: Die moderne Architektur und die humane Rationalisierung der Fabrik im frühen 20. Jahrhundert, in: kunsttexte.de. E-Journal für Kunst- und Bildgeschichte, Nr. 1, 2017, www.kunsttexte.de.
Uhl, Karsten: Computerisierung, deutsch-deutsche Gewerkschaftsgeschichte und europäische Vernetzung im Kontext des Kalten Krieges. Die Arbeitskämpfe in der bundesdeutschen Druckindustrie in den 1970er- und 1980er-Jahren, in: Solidarität im Wandel der Zeiten. 150 Jahre Gewerkschaften, hg. v. Willy Buschak, Essen: Klartext 2016, S. 277-302.
Uhl, Karsten: Räume der Arbeit: Von der frühneuzeitlichen Werkstatt zur modernen Fabrik, in: Europäische Geschichte Online (EGO), hg. vom Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG), Mainz 2015-11-03. URL: http://www.ieg-ego.eu/uhlk-2015-de URN: urn:nbn:de:0159-2015110204
Uhl, Karsten. Maschinenstürmer gegen die Automatisierung? Der Vorwurf der Technikfeindlichkeit in den Arbeitskämpfen der Druckindustrie in den 1970er und 1980er Jahren, in: Technikgeschichte, Bd. 82, 2015, H. 2, S. 157-179.
Uhl, Karsten. Potenzial oder Störfaktor? Die Subjektivität von Arbeitern und Arbeiterinnen in der Zwischenkriegszeit, in: Knud Andresen u.a., Hg.: Der Betrieb als sozialer und politischer Ort. Studien zu Praktiken und Diskursen in den Arbeitswelten des 20. Jahrhunderts, Bonn 2015, S. 259-284.
Uhl, Karsten. Die Aufklärungshistorie und die Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung in Deutschland, in: Frühneuzeit-Info, Bd. 25, 2014, H. 2, S. 186-198.
Uhl, Karsten. Die nationalsozialistische "Volksgemeinschaft" im Fabrikalltag. "Menschenführung" zwischen Selbstverantwortung und Disziplinierung, in: GWU, Bd. 64, 2013, H. 5/6, S. 298-315.
Uhl, Karsten. The Ideal of Lebensraum and the Spatial Order of Power at German Factories, 1900-1945, in: European Review of History/Revue d’histoire européenne, Bd. 20, H. 2, 2013, S. 287-307.
Uhl, Karsten. Giving Scientific Management a 'Human' Face: The Engine Factory Deutz and a 'German' Path to Efficiency, 1910-1945, in: Labor History 52, 2011, 4, S. 511-533.
Uhl, Karsten. Vom Abort im Holzschuppen zur normierten Toilette. Betriebliche Sanitäranlagen und die Raumordnung der Fabrik in Deutschland 1870-1970, in: Blätter für Technikgeschichte, Bd. 73, 2011, S. 55-71
Uhl, Karsten, Die Geschlechterordnung der Fabrik. Arbeitswissenschaftliche Entwürfe von Rationalisierung und Humanisierung 1900-1970. In: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften, Jg. 21, 2010, H. 1, S. 93-117.
Uhl, Karsten. Der Faktor Mensch und das Management: Führungsstile und Machtbeziehungen im industriellen Betrieb des 20. Jahrhunderts, in: NPL 55, 2010, 2: S. 233-254.
Uhl, Karsten, Mutterliebe und Verbrechen - Mutterschaft und Sexualität im kriminologischen Diskurs 1880-1980. In: Mütterliche Macht und väterliche Autorität, hg. v. José Brunner (Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 36) Göttingen 2008, S. 48-62.
Uhl, Karsten, Die Bedeutung der Kategorie Geschlecht für den Wandel des Strafdenkens im 19. Jahrhundert. In: Verbrecher im Visier der Experten. Kriminalpolitik zwischen Wissenschaft und Praxis im 19. und frühen 20. Jahrhundert, hg. v. Sabine Freitag u. Desirée Schauz, (Wissenschaft, Politik und Gesellschaft, Bd. 2), Stuttgart 2007, S. 101-116.
Uhl, Karsten, Die Verbrecherin im humanwissenschaftlichen Diskurs des 19. Jahrhunderts. Geschlecht, moralische Schuld und soziale Gefahr, in: Der Kriminelle. Deutsch-französische Perspektiven, hg. v. Falk Bretschneider, Leipzig 2007, S. 45-78.
Uhl, Karsten, Die „Sexualverbrecherin“. Weiblichkeit, Sexualität und serieller Giftmord in der Kriminologie, 1870-1930, in: LustMord. Medialisierungen eines kulturellen Phantasmas um 1900 (Kulturwissenschaftliche Gender Studies, Bd. 13), hg. von Susanne Komfort-Hein u. Susanne Scholz, Königstein 2007, S. 133-148.
Uhl, Karsten. Deckgeschichten: Von der Hölle zu den Sternen. Das KZ Mittelbau-Dora in Nachkriegsnarrativen. In: Technikgeschichte, Bd. 72, Heft 3, 2005, S. 243-256.
Uhl, Karsten, The Auschwitz Sketchbook. In: The Last Expression: Art and Auschwitz, hg. v. David Mickenberg, Corinne Granof u. Peter Hayes, Evanston (Illinois) 2003, S. 94-103.
Uhl, Karsten. Verbrechen als Liebe – Liebe als Verbrechen. Kriminologie, Literatur und die historischen Grenzen des Sagbaren, in: Bündnis und Begehren, hg. v. Alexandra Tischel u. Andreas Kraß, Berlin 2002, S. 229-244.
Uhl, Karsten. Die Gewaltverbrecherin im kriminologischen und literarischen Diskurs des frühen 20. Jahrhunderts, in: Frauen und Gewalt, hg. v. Antje Hilbig u.a., Würzburg 2003, S. 91-103.

Herausgeberschaften und Editionen

Kleinöder, Nina/Müller, Stefan/Uhl, Karsten, Hg.: „Humanisierung der Arbeit“. Aufbrüche und Konflikte in der rationalisierten Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts (Histoire, Bd. 150), Bielefeld: transcript 2019.
Uhl, Karsten/Christian Zumbrägel (Hg.), Themenheft „Technik“ (Body Politics. Zeitschrift für Körpergeschichte, Jg. 6, 2018, H. 9).
Bluma, Lars/Uhl, Karsten (Hg.), Kontrollierte Arbeit - disziplinierte Körper? Zur Sozial- und Kulturgeschichte der Industriearbeit im 19. und 20. Jahrhundert, Bielefeld: transcript, 2012.
Kramer, Helmut/ Uhl, Karsten/ Wagner, Jens-Christian (Hg.), Zwangsarbeit im Nationalsozialismus und die Rolle der Justiz. Täterschaft, Nachkriegsprozesse und die Auseinandersetzung um Entschädigungsleistungen, Nordhausen 2007.

Forschungsinteressen und Arbeitsgebiete

Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Erinnerungskultur, Technikgeschichte, Körpergeschichte, Labour History, Geschichte der Computerisierung, Geschichte der Kriminologie