Klaus Gantert: Bibliotheken [PDF-Version]


Bibliotheken und Bibliothekswesen
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Bibliotheken sind die am stärksten genutzten Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland. Rund 12.000 Bibliotheken werden jährlich von mehr als 200 Millionen Menschen besucht, mehr als 450 Millionen Medien werden jährlich ausgeliehen. Gerade für Geisteswissenschaftler, die für ihre Arbeit nicht nur die wissenschaftliche Fachliteratur, sondern in vielen Fällen auch gedruckte Quelleneditionen benötigen, sind Bibliotheken die zentralen Informationseinrichtungen.

a) Aufgaben von Bibliotheken

Die traditionellen Aufgaben von Bibliotheken bestehen darin, Publikationen zu sammeln, zu erschließen, den Benutzern zur Verfügung zu stellen und zu archivieren. Um die erworbenen Publikationen für den Benutzer zugänglich zu machen, werden die Medien nach formalen und inhaltlichen Kriterien erschlossen. Die Ergebnisse dieser Erschließung, die sogenannten bibliographischen Metadaten, werden den Nutzern im OPAC (Online Public Access Catalogue), dem elektronischen Bibliothekskatalog, präsentiert. Bibliotheksbestände, die in geschlossenen Magazinen aufbewahrt werden, können von den Nutzern über den OPAC online bestellt werden, zumindest ein Teil der Medien ist in vielen Bibliotheken allerdings auch freihand aufgestellt, also direkt zugänglich. In manchen Bibliotheken ist die Benutzung der Bibliotheksbestände nur im Lesesaal möglich, andere erlauben auch eine Ausleihe nach Hause. Einige Bibliotheken bewahren ihre Bestände dauerhaft auf, auch wenn sie nur noch selten verwendet werden. Das Archivieren des Bestandes ist vor allem Aufgabe der National- und Regionalbibliotheken sowie der Sondersammelgebietsbibliotheken.

Neben die traditionellen Aufgaben des Erwerbens, Erschließens, Benutzens und Archivierens treten für Bibliotheken zunehmend neue Aufgaben. Fast alle großen wissenschaftlichen Bibliotheken bieten heute Veranstaltungen zur Vermittlung von Informationskompetenz an, die Angebote der Hochschulbibliotheken sind hierbei in vielen Fällen in die Curricula der Fachstudiengänge eingebunden. Daneben erstellen immer mehr Bibliotheken – über den Bibliothekskatalog hinaus – elektronische Informationsressourcen, z.B. Linklisten, Navigationssysteme, Fachbibliographien, Virtuelle Fachbibliotheken, Fachportale, etc.

b) Bibliotheksbestände

Zwar sind Buchmedien (Bücher und Zeitschriften) nach wie vor das charakteristische Sammelgut von Bibliotheken, allerdings werden heute bei der Erwerbung nahezu alle Medienarten berücksichtigt. Neben den weiterhin dominierenden Printmedien werden vor allem elektronische Medien lizenziert; die Bibliotheken erwerben in diesem Fall – für ihre Nutzer – ein zeitlich zumeist befristetes Zugriffsrecht auf die entsprechenden elektronischen Publikationen. Aufgrund ihres medienspezifischen Mehrwerts sind elektronische Dokumente für die wissenschaftliche Nutzung von besonderem Interesse; besonders wichtige Kriterien in diesem Zusammenhang sind der orts- und zeitunabhängige Zugriff, die Volltextdurchsuchbarkeit, die Aktualisierbarkeit sowie die multimedialen Verknüpfungsmöglichkeiten. Elektronische Publikationen, die für die Wissenschaft von besonderer Bedeutung sind, werden vielfach als sogenannte Nationallizenzen erworben. Hierbei werden die entsprechenden Publikationen von einer Bibliothek lizenziert und anschließend in allen deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zur Verfügung gestellt. Finanziert werden die Nationallizenzen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Neben der Lizenzierung entsprechender Verlagsangebote erweitern viele Bibliotheken ihren Bestand an elektronischen Texten auch durch die eigene nachträgliche Digitalisierung von Printmedien. Ebenfalls zum Sammelspektrum wissenschaftlicher Bibliotheken gehören audiovisuelle Medien (Bilder, Tonträger, Filmmedien) und Mikroformen (Mikrofiches und Mikrofilme). Neben diesen Medienformen sammeln Bibliotheken auch handschriftliches Material, sowohl mittelalterliche Handschriften als auch neuzeitliche und zeitgenössische Nachlässe und Autographe. Grundsätzlich gilt die Regel, dass Autographen von Wissenschaftlern und Schriftstellern eher in Bibliotheken gesammelt werden, während handschriftliches Material der staatlichen Verwaltung und Nachlässe von Politikern in der Regel in Archiven verwaltet werden. Mit Manuscripta Mediaevalia und Kalliope stehen sowohl für die mittelalterlichen Handschriften als auch für die neuzeitlichen Autographen in deutschen Bibliotheken übergreifende Informationsressourcen zur Verfügung.

c) Bibliothekstypen

Die Vielfalt von Bibliothekstypen ist ungemein groß. Neben großen Staats- und Universitätsbibliotheken finden sich z.B. kleine Stadtteil- und Gemeindebibliotheken sowie eine Vielzahl von Bibliothekstypen, die sich an spezielle Nutzergruppen richten, z.B. Krankenhaus-, Gefängnis, Blinden-, Truppen- und Werksbibliotheken. Grundsätzlich wird unterschieden zwischen öffentlichen Bibliotheken, die der Versorgung der breiten Bevölkerung mit Informationen und Unterhaltungsmedien dienen, und wissenschaftlichen Bibliotheken, deren Bestände und Angebote überwiegend an den Bedürfnissen von Studenten und Wissenschaftlern ausgerichtet sind. Die wichtigsten Typen von Bibliotheken für die wissenschaftliche Arbeit sind:

  • Nationalbibliotheken

  • Zentrale Forschungs- und Sondersammelgebietsbibliotheken

  • Regionalbibliotheken

  • Hochschul- bzw. Universitätsbibliotheken

  • Spezialbibliotheken

(1) Nationalbibliotheken sammeln alle Publikationen eines Staates, die ihnen in vielen Ländern als gesetzliche Pflichtstücke kostenlos geliefert werden, diese Publikationen verzeichnen sie in der Nationalbibliographie ihres Landes. In der Regel sammeln sie auch die Literatur über das jeweilige Land, unabhängig vom Erscheinungsort, sowie die wissenschaftliche Literatur des Auslandes in Auswahl. Zumeist verfügen Nationalbibliotheken über herausragende Altbestände und Sondersammlungen, alle Bestände von Nationalbibliotheken werden dauerhaft archiviert. Vor allem wegen ihrer späten Gründung 1912 übernimmt die Deutsche Nationalbibliothek mit Sitz in Leipzig und Frankfurt am Main nur einen Teil dieser Aufgaben; sie archiviert alle deutschen Publikationen seit 1913 und verzeichnet sie in der Deutschen Nationalbibliografie, seit 2006 gehört auch die Archivierung von Netzdokumenten zu ihrem Aufgabenspektrum.

(2) Die umfassende Sammlung der internationalen wissenschaftlichen Literatur, die Betreuung umfangreicher historischer Bestände und die Pflege geographischer und materialbezogener Sondersammlungen übernehmen in Deutschland vor allem die Staatsbibliothek zu Berlin und die Bayerische Staatsbibliothek sowie verschiedene Sondersammelgebietsbibliotheken. Meistens werden die Sondersammelgebiete von Universitätsbibliotheken betreut, die in bestimmten Fächern über herausragende ältere Bestände verfügen und für die umfassende Erwerbung der neueren Forschungsliteratur von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert werden.

(3) Regionalbibliotheken sammeln, erschließen und archivieren Publikationen aus und über ihre Region. Die landeskundliche Literatur, also die Literatur über die Region, verzeichnen sie in Regional- oder Landesbibliographien, die im Gegensatz zur Nationalbibliographie auch die unselbstständigen Werke (Aufsätze) umfassen. Aufgrund ihrer föderalen Struktur verfügt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich über besonders viele und besonders leistungsfähige Regionalbibliotheken, zumeist werden sie als Landes- oder Staatsbibliotheken bezeichnet. Zum Teil betreuen diese Bibliotheken ein gesamtes Bundesland, zum Teil auch nur kleinere Gebiete. Einige Regionalbibliotheken, wie z.B. die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe oder die Landesbibliothek Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin übernehmen ausschließlich landesbibliothekarische Aufgaben, andere sind zugleich Universitäts- oder auch Stadtbibliotheken, wie z.B. die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn oder die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.

(4) Universitätsbibliotheken gewährleisten in erster Linie die Literatur- und Informationsversorgung der Hochschulangehörigen, allerdings stehen sie auch anderen Nutzern offen. Wie die National- und die Regionalbibliotheken sind sie zumeist Universalbibliotheken, also nicht auf einzelne Fachgebiete beschränkt. Während ältere Universitätsbibliotheken zumeist eine Vielzahl von Instituts- und Seminarbibliotheken aufweisen, sind moderne Universitätsbibliotheken in der Regel einschichtig konzipiert, d.h. neben der Zentralbibliothek finden sich meist nur noch wenige Fakultätsbibliotheken mit umfangreichen Beständen.

(5) Spezialbibliotheken gehören häufig zu außeruniversitären Forschungsinstitutionen, Beispiele für diesen Bibliothekstyp sind die Bibliothek des Instituts für Zeitgeschichte mit Sitz in München und Berlin oder die Bibliothek der Monumenta Germaniae Historica in München. Der Sammlungsbereich dieser Spezialbibliotheken sind die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts mit Schwerpunkten auf dem Nationalsozialismus und dem 3. Reich bzw. die deutsche Geschichte des Mittelalters. In Einzelfällen wurden Spezialbibliotheken auch an größere Universalbibliotheken angeschlossen, wie z.B. die Bibliothek für Zeitgeschichte in Stuttgart, die 2000 in die Württembergische Landesbibliothek integriert wurde. Ein umfassendes Verzeichnis aller historischen Spezialbibliotheken zu den Geschichtswissenschaften in Deutschland liegt in Buchform vor.

Der Autor: Dr. Klaus Gantert ist Hochschullehrer und stellvertretender Fachbereichsleiter am Fachbereich Archiv- und Bibliothekswesen der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Bayern, er unterrichtet u.a. Bibliothekswesen, Buchgeschichte, Medienkunde und verbale Sacherschließung.

Zitation: Klaus Gantert, Guide Bibliotheken. In: Clio-online, 08.09.2009, <http://www.clio-online.de/guides/bibliotheken/gantert2009>.


Bibliothekswesen in Deutschland
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Überregionale Dienste und intensive Kooperation der Bibliotheken auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene sind keine neue Erscheinung im Deutschen Bibliothekswesen und – durch das Fehlen einer dominierenden Nationalbibliothek – geradezu charakteristisch für das Bibliothekswesen der Bundesrepublik. Wichtige nationale Kooperationen betreffen vor allem die Sammlung und den Nachweis deutscher Publikationen vor 1913 sowie die Organisation von Schwerpunktbibliotheken für alle Wissenschaftsdisziplinen.

a) Nationale Kooperationen

Der Sammlung und dem Nachweis deutscher Publikationen vor 1913 dient die 1989 gegründete Sammlung Deutscher Drucke (SDD), ein Zusammenschluss von ursprünglich fünf Bibliotheken, die schwerpunktmäßig die Sammlung historischer Drucke eines bestimmten Zeitraums betreiben – jeweils aufbauend auf einem bereits vorhandenen herausragenden Bestand an Drucken dieser Epoche:

Seit 1995 beteiligt sich auch die Deutsche Nationalbibliothek an diesem Kooperationsprojekt und betreut den Zeitraum von 1913 bis zur Gegenwart. Zu den Aufgaben der SDD-Bibliotheken gehören neben der Erwerbung der antiquarischen Drucke aus den jeweiligen Epochen auch ihre Erschließung, ihre Digitalisierung und die Erhaltung der Originale. Gleichzeitig beteiligen sich fast alle SDD-Bibliotheken auch an den Bemühungen um eine retrospektive deutsche Nationalbibliographie. Die wichtigsten bibliographischen Datenbanken, die in diesem Zusammenhang entstanden sind und beständig erweitert werden, sind:

Auch Verzeichnisse und Kataloge moderner Publikationen wie die Zeitschriftendatenbank (ZDB), die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) und das Datenbank-Infosystem (DBIS) werden von einer Vielzahl wissenschaftlicher Bibliotheken gemeinsam erarbeitet.

Um sicherzustellen, dass alle für die einzelnen Fachwissenschaften wichtigen Publikationen – auch des Auslands – mindestens in einem Exemplar in Deutschland vorhanden sind, richtete die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 1949 den sogenannten Sondersammelgebietsplan ein. Er legt fest, welche Bibliothek (mit finanzieller Unterstützung der DFG) welches Fachgebiet besonders intensiv betreut. Die wichtigste SSG-Bibliothek für die Geschichtswissenschaft ist die Bayerische Staatsbibliothek, die die Sondersammelgebiete Geschichte Allgemeines, die Vor- und Frühgeschichte, die Klassische Altertumswissenschaft einschließlich der Alten Geschichte, der Mittel- und der Neulateinischen Philologie und Byzanz sowie die Geschichte Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Frankreichs und Italiens betreut. Andere historische Fachgebiete betreuen z.B. die SUB Göttingen (Geschichte Nordamerikas, Großbritanniens und Irlands, Australiens und Neuseelands), die SUB Hamburg (Spanien und Portugal) und die Bibliothek des Iberoamerikanischen Instituts in Berlin (Lateinamerika). Ein umfassendes Verzeichnis aller Sondersammelgebiete und sonstiger fachlicher und regionaler Sammelschwerpunkte an deutschen Bibliotheken bietet webis, das Web-Informationssystem des deutschen Bibliothekswesens.

b) Regionale Kooperation und Dokumentenlieferung

Bereits seit den 1970er Jahren haben sich viele Bibliotheken einer Region in sogenannten Bibliotheksverbünden zusammengeschlossen, zunächst vor allem, um gegenseitig von den Katalogisierungsdaten der beteiligten Institutionen profitieren zu können. War ein Buch in einer Bibliothek bereits katalogisiert worden, so standen die Titeldaten allen anderen Bibliotheken für die eigene Erschließungsarbeit zur Verfügung. Schon bald entwickelten sich die umfangreichen Verbundkataloge dieser Verbünde auch für die Benutzer zu wichtigen Informationsressourcen. Im Auswärtigen Leihverkehr bilden die Verbundkataloge die Grundlage für die konventionelle Fernleihe und die Online-Fernleihe, die die Fernleihe mit Leihscheinen weitgehend abgelöst hat. Die Online-Fernleihe ermöglicht es dem Benutzer, Fernleihbestellungen rund um die Uhr selbstständig abzusetzen. Hierbei identifiziert er sich mit der Nummer seines Benutzerausweises und seiner ID-Nummer als Benutzer einer Bibliothek und löst die Bestellung aus. Ist kein Exemplar des gewünschten Titels in einer Bibliothek seiner Stadt nachgewiesen, so entscheidet ein zentraler Fernleih-Server darüber, welches der vorhandenen Exemplare in die Fernleihe gehen soll und an die Bibliothek des Nutzers geliefert wird.

Neben der Fernleihe haben sich weitere Formen der Dokumentenlieferung etabliert; die wichtigsten sind die Dokumentenlieferdienste und die zunehmend angebotene Digitalisierung im Auftrag des Nutzers. Die Dokumentenlieferdienste bieten ihren Nutzern die Lieferung der gewünschten Dokumente meist wesentlich schneller als die Fernleihe, allerdings sind die Kosten für diese Dienste auch deutlich höher. Der meistgenutzte Dokumentenlieferdienst in Deutschland ist Subito, eine Vereinigung von rund 40 wissenschaftlichen Bibliotheken, der seinen Nutzern eine Lieferung von Aufsatzkopien in Papierform oder – soweit dies urheberrechtlich möglich ist – auch in elektronischer Form anbietet. Bei der Digitalisierung im Auftrag des Nutzers (eBooks on Demand) bieten einige Bibliotheken ihren Nutzern an, die von ihnen gewünschten urheberrechtsfreien Monographien gegen eine Bearbeitungsgebühr zu digitalisieren.


Informationsressourcen: I. Bibliothekskataloge
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Bibliotheken stellen ihren Nutzern nicht nur in großem Umfang Informationsressourcen zur Verfügung, vielfach erarbeiten sie diese auch selbst oder sind an ihrer Produktion beteiligt. Im Folgenden soll ein Überblick über die wichtigsten Typen und Gattungen der Informationsressourcen gegeben werden, die von Bibliotheken angeboten werden. Einige der wichtigsten Angebote für Historiker werden dabei exemplarisch vorgestellt.

I.1 OPACs

Bibliothekskataloge sind die zentralen Nachweisinstrumente zum Bestand einzelner Bibliotheken. Nahezu alle wissenschaftlichen Bibliotheken präsentieren ihre Bestände heute in elektronischer Form in OPACs (Online Public Access Catalog). Für die Recherche wird zumeist zwischen einer einfachen Suche (eine Eingabezeile, Suche über alle Suchkategorien) und einer Erweiterten Suche unterschieden (mehrere Suchzeilen, Auswahlmöglichkeiten der Suchkategorie, Verknüpfungsmöglichkeit verschiedener Suchkriterien mit Hilfe der Booleschen Operatoren „und“, „oder“, „nicht“ bzw. „and“, „or“, „not“). Bei der Benutzung von OPACs ist auf einige Besonderheiten zu achten:

(1) OPACs verzeichnen in der Regel nur die selbstständige Literatur, also Monographien, Sammelwerke und Zeitschriften. Nicht bzw. nicht vollständig nachgewiesen sind die in den Zeitschriften und Sammelwerken enthaltenen Aufsätze.

(2) Nicht in allen Bibliotheken sind alle Medien vollständig im OPAC nachgewiesen. In vielen Fällen sind Teilbestände, z.B. einzelne Medienarten bzw. Bestandsgruppen, nur in separaten, zum Teil konventionellen Katalogen verzeichnet (z.B. Handschriften, Autographen, Inkunabeln, alte Drucke, etc.).

(3) Die Erschließung der Bestände in Bibliothekskatalogen ist häufig sehr heterogen. Für die verbale Erschließung der Medien mit Schlagwörtern werden in den deutschsprachigen Ländern erst seit den 1980er Jahren einheitliche Regelwerke verwendet; die älteren Bestände sind zumeist nur nach lokalen Regeln oder auch gar nicht verbal erschlossen. Bei der klassifikatorischen Erschließung werden bis heute verschiedene Systeme verwendet. Eine weitere Verbreitung haben die Regensburger Verbundklassifikation (RVK) und die Dewey Decimal Classification (DDC) erfahren.

Erhöht wird der Suchkomfort in modernen OPACs durch einige neuere Entwicklungen; die wichtigsten Neuerungen sind das Catalog Enrichment, sogenannte Drill-Downs, Recommender-Funktionen, das Social Cataloging/Social Tagging und Alert-Funktionen.

Beim Catalog Enrichment (auch Kataloganreicherung) werden die bibliographischen Daten einer Titelaufnahme im Katalog um weitere Elemente angereichert. Häufig werden eingescannte Inhaltsverzeichnisse, Coverabbildungen, Klappentexte oder Abstracts mit den Titeldaten verknüpft, in einigen Fällen auch Rezensionen. Da diese Elemente fast immer in maschinenlesbarer Schrift vorliegen, können die Daten auch für die OPAC-Recherche verwendet werden, was zu einem starken Anstieg der Treffermengen führt. Abgesehen von den Vorteilen für die Recherche erhält der Nutzer ein wesentlich besseres Bild von den verzeichneten Medien. Drill-Downs sind Einschränkungsmöglichkeiten einer bestehenden Treffermenge. Die Vorschläge des OPACs für mögliche Einschränkungen resultieren hierbei aus der Analyse der vorhandenen Titeldaten. Für die thematische Recherche sind vor allem die inhaltlichen Sucheinschränkungen interessant. Recommender-Funktionen empfehlen dem Nutzer – ausgehend von einem gefundenen Titel – vergleichbare Titel zu seinem Interessensgebiet. Grundlage dieser Empfehlungen ist eine Analyse des Verhaltens anderer Bibliotheksnutzer. Beim Social Cataloging wird ein Katalog nicht nur von einigen Experten (den Bibliothekaren) erstellt, sondern kollaborativ von allen Nutzern gemeinsam. Während das Social Cataloging in anderen Bereichen (z.B. Flickr, YouTube und MySpace) schon lange praktiziert wird, findet es im Bibliothekswesen bisher eher selten Anwendung. Einige Bibliothekskataloge bieten allerdings die Möglichkeit, inhaltliche Schlagwörter zu vergeben (Social Tagging), eigene Bewertungen abzugeben oder Rezensionen zu schreiben. Alert-Funktionen erlauben den Nutzern von OPACs, ihr Interessensprofil in Form von Suchanfragen zu hinterlegen, die dann in regelmäßigen Abständen automatisch ausgeführt werden. Ist seit der letzten Suchanfrage ein neues einschlägiges Medium hinzugekommen, wird der Nutzer z.B. per E-Mail informiert. Besonders häufig werden diese Benachrichtigungen auch mit Hilfe von RSS-Feeds verbreitet.

I.2 Verbundkataloge

Verbundkataloge sind Kataloge, in denen mehrere Bibliotheken ihre Bestände gemeinsam nachweisen. Verbundkataloge weisen daher wesentlich mehr Medien nach, als der Katalog jeder einzelnen Verbundbibliothek. Ursprünglich dienten Verbundkataloge vor allem der kooperativen Erschließung von Bibliotheksbeständen (alle teilnehmenden Bibliotheken konnten die im Verbundkatalog vorhandenen Daten für den eigenen Katalog übernehmen). Aufgrund ihrer Datenfülle eignen sie sich jedoch auch gut für thematische Literaturrecherchen. Allerdings ist die lokale Verfügbarkeit der verzeichneten Medien nicht immer gegeben. In der Regel werden die Bibliotheken, die ein bestimmtes Medium besitzen, in einer Liste angegeben, die sich an den angezeigten Titel anschließt.

a) Verbundkataloge im deutschsprachigen Raum

Für den deutschsprachigen Bereich sind vor allem die Verbundkataloge der großen deutschen Bibliotheksverbünde, des Österreichischen Bibliotheksverbunds und des Informationsverbunds Deutschschweiz von Bedeutung:

Im Gegensatz zu lokalen Bibliothekskatalogen weisen die Verbundkataloge heute bereits häufig auch die unselbstständige Literatur in größerem Umfang nach, allerdings bei weitem nicht vollständig. Ist ein gewünschtes Medium in der lokalen Bibliothek nicht nachgewiesen, so lässt es sich in der Regel über die Online-Fernleihe oder über einen Dokumentenlieferdienst beschaffen.

b) WorldCat

Der größte Verbundkatalog der Welt ist der WorldCat, der die Bestände von über 10 000 Bibliotheken nachweist. Er enthält rund 140 Millionen Titeldaten mit mehr als 1,4 Milliarden Besitznachweisen weltweit. Der WorldCat bietet Drill-Downs, Benutzer können Schlagwörter vergeben und Rezensionen schreiben, es gibt eine Recommender-Funktion und die Zielgruppe und der Spezialisierungsgrad der Werke einzelner Autoren können angezeigt werden. Eine Besonderheit des WorldCat ist die Umkreis- oder auch Umgebungssuche: Gibt der Benutzer seinen geographischen Standort an, so wird die Liste der besitzenden Bibliotheken geographisch sortiert: Die Bibliothek, die dem eingegebenen Standort am nächsten liegt, erscheint zuerst, diejenige, die am weitesten entfernt ist, zuletzt. Zwar besticht der WorldCat durch die immense Menge der verzeichneten Dokumente, es muss jedoch betont werden, dass die inhaltliche Erschließung aufgrund der in den verschiedenen Ländern verwendeten Regelwerke noch heterogener ist als in den deutschen Bibliotheks- und Verbundkatalogen.

I.3 Metakataloge

Während die Suchanfragen in Verbundkatalogen stets an eine einzige Datenbank geschickt werden, bieten Metakataloge eine vollkommen andere Möglichkeit, die Bestände mehrerer Bibliotheken mit einem einzigen Suchvorgang zu erfassen. Hier werden die Suchbegriffe in eine zentrale Suchoberfläche eingegeben und dann an verschiedene Kataloge weitergeleitet. Dort wird die Suche jeweils ausgeführt und die erzielten Treffer werden anschließend – sortiert nach den einzelnen Fundstellen – angezeigt. Eine Dublettenbereinigung findet in der Regel nicht statt. Da hinter Metakatalogen keine eigenen Bestände stehen, die verzeichnet werden, sind sie genau genommen gar keine Kataloge, sondern ähneln Metasuchmaschinen. Metakataloge eignen sich sehr gut, um auf unkomplizierte Weise schnell innerhalb vieler verschiedener Datenquellen zu recherchieren und somit die Suche auf riesige Datenpools auszudehnen. Ein grundsätzlicher Nachteil von Metakatalogen besteht darin, dass oft nicht alle ausgewählten Kataloge ein vom Benutzer eingegebenes Suchkriterium unterstützen. Somit bleiben die Ergebnisse bei der Suche über einen Metakatalog in manchen Fällen hinter denen zurück, die sich ergeben, wenn man die Suche in allen ausgewählten Katalogen einzeln durchführt. Darüber hinaus gilt auch hier, dass die Erschließung der Medien in den einzelnen Katalogen, die eine Metasuchmaschine berücksichtigt, sehr heterogen sein kann.

Karlsruher Virtueller Katalog

Der wichtigste und bekannteste Metakatalog des deutschen Bibliothekswesens ist der Karlsruher Virtuelle Katalog (KVK), eine Entwicklung der Universitätsbibliothek Karlsruhe. Der KVK leitet die Suchanfragen der Benutzer an über 60 Kataloge weiter. Berücksichtigt werden Bibliotheks- und Verbundkataloge aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie weitere Kataloge wichtiger internationaler Nationalbibliotheken und Bibliotheksverbünde sowie mehrere Buchhandelsverzeichnisse. Auf diese Weise lässt sich mit dem KVK in einem Pool von über 500 Millionen Medien recherchieren.

Fachlich definierte Metakataloge für die Geschichtswissenschaft werden von den Fachportalen Clio-Online und Chronicon sowie von der Virtuellen Fachbibliothek Altertumswissenschaften Propylaeum angeboten.

Trotz der innovativen Entwicklungen moderner OPACs und trotz des immensen Umfangs von Verbund- und Metakatalogen, muss eine Literaturrecherche, die sich um Vollständigkeit bemüht, neben den Bibliothekskatalogen noch weitere Informationsressourcen berücksichtigen.


Informationsressourcen: II. Bibliographien
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Bibliographien verzeichnen die Literatur einer bestimmten Region, eines bestimmten Faches oder Themengebietes, einer bestimmten Medienform oder auch die Literatur von oder über eine einzelne Person. Im Gegensatz zu Bibliothekskatalogen verzeichnen sie meist nicht nur Monographien und die Titel von Zeitschriften, sondern fast immer auch die unselbstständig erscheinende Literatur, also Aufsätze aus Zeitschriften und Sammelbänden (eine wichtige Ausnahme bilden hierbei die Nationalbibliographien). Darüber hinaus arbeiten Bibliographien nicht bestandsbezogen, d.h., sie streben eine möglichst große Vollständigkeit an. Schließlich ist das in Bibliographien nachgewiesene Titelmaterial in der Regel vollständig, einheitlich und in den meisten Fällen auch differenzierter erschlossen als die Nachweise in Bibliothekskatalogen. Die wichtigsten Typen von Bibliographien sind:

Neben diesen zentralen Gattungen finden sich weitere Typen von Bibliographien, in der Regel für spezielle Text- bzw. Publikationstypen oder Medienformen: Rezensionsbibliographien, Bibliographien der Kongressschriften, Patentbibliographien, Übersetzungsbibliographien, Handschriftenbibliographien und schließlich – um die entsprechenden Bibliographien verlässlich finden zu können – auch Bibliographien der Bibliographien. Erarbeitet werden Bibliographien sowohl von Bibliotheken – meist von Bibliotheken mit einem entsprechenden Bestandsschwerpunkt oder Spezialbibliotheken – oder auch von kommerziellen Anbietern.

Vor allem die großen National-, Regional- und Fachbibliographien werden heute nahezu aus-schließlich online publiziert. Die Recherchemöglichkeiten sind hierdurch komfortabler und vielfältiger, allerdings ist bei den elektronischen wie bei den gedruckten Bibliographien auf den Berichtszeitraum der jeweiligen Publikation zu achten. Von besonderer Bedeutung für die Literaturrecherche von Historikern sind vor allem Fach-, Spezial-, Regional- und Personalbibliographien.

II.1 Fachbibliographien

Fachbibliographien verzeichnen die Literatur zu einem gesamten Fach, wie z.B. der Geschichte, der Medizin oder der Mathematik, zum Teil auch zu einem oder mehreren Teilgebieten eines Faches, z.B. der antiken oder der mittelalterlichen Geschichte. Die wichtigsten Fachbibliographien für die Geschichte liegen zum Teil vollständig, zum Teil auch nur für die jüngere Berichtszeit in Online-Fassungen vor:

Wichtige Titel für die antike und die mittelalterliche Geschichte sind:

Da fast alle hier genannten Fachbibliographien kommerziell vertrieben werden, sind die Online-Fassungen der bibliographischen Datenbanken nur für die Nutzer von Bibliotheken zugänglich, die diese Datenbanken lizenzieren.

II.2 Spezialbibliographien

Spezialbibliographien verzeichnen die Literatur zu wesentlich engeren Themen. In der Regel sind sie vollständiger und besser erschlossen als die entsprechenden Fachbibliographien. In den meisten Fällen berücksichtigen sie auch sehr umfassend die sogenannte Graue Literatur (Literatur außerhalb des Buchhandels: ungedruckte Dissertationen, Kongressschriften, Preprints, etc.) und fast immer arbeiten sie mit einer speziell für den jeweiligen Gegenstand entwickelten Systematik. Für die Zeiten vor und nach dem Berichtszeitraum von Spezialbibliographien ist ergänzend weiterhin die entsprechende Fachbibliographie zu konsultieren. Dem Nachweis von Spezialbibliographien dienen Bibliographien der Bibliographien, für die Geschichtswissenschaften ist z.B. auf den 2. Band der Internationalen Bibliographie der Bibliographien (IBB) zu verweisen (München, Saur 1999), der 6362 Bibliographien zur Geschichte verzeichnet. Darüber hinaus verzeichnen auch alle Fachbibliographien laufend die thematisch einschlägigen Spezialbibliographien. Beispiele für Spezialbibliographien, die online zur Verfügung stehen sind:

II.3 Regionalbibliographien

Historisches Geschehen ist immer auch regional verortet und alle historischen Ereignisse betreffen Orte, Länder oder Regionen. Im Bereich der Fachbibliographien wird diesem Umstand vor allem durch Bibliographien Rechnung getragen, die sich mit der Geschichte eines Landes befassen (Jahresberichte für Deutsche Geschichte, Bibliografia Historii Polskiej, etc.). Für die deutschen Territorien und heutigen Bundesländer sind darüber hinaus auch die Regionalbibliographien wichtige Informationsressourcen für die historische Forschung. Zumeist liegen sie in Form von Landesbibliographien vor, die die Literatur über ein Bundesland verzeichnen. Beispiele hierfür sind:

Mit der Virtuellen Deutschen Landesbibliographie steht eine Metasuchmaschine zur Verfügung, mit der integriert in allen deutschen Landesbibliographien recherchiert werden kann. Gerade hier ist allerdings auf die unterschiedlichen Berichtszeiträume der einzelnen Online-Angebote zu achten. Neben den Landesbibliographien gibt es auch Regionalbibliographien zu kleineren, historischen und grenzüberschreitenden Regionen (z.B. die Oberfränkische Bibliographie, die Lippische Bibliographie und die Bodenseebibliographie).

Immer mehr Bundesländer entwickeln heute über das Angebot einer Landesbibliographie hinaus umfassende landesgeschichtliche und landeskundliche Informationsportale, die ihren Nutzern nicht nur eine Literatur-, sondern auch eine umfassende Informationsrecherche ermöglichen. Beispiele für solche regionalen Informationsportale sind:

II.4 Personalbibliographien

Ebenfalls von großer Bedeutung für die historische Forschung sind Personalbibliographien und biographische Verzeichnisse. Bei Personalbibliographien wird zwischen objektiven (verzeichnen nur die Literatur über eine Person) und subjektiven Personalbibliographien (verzeichnen nur die Schriften von einer Person) unterschieden; häufig werden beide Formen miteinander kombiniert. Nachgewiesen sind Personalbibliographien in den Bibliographien der Bibliographien und in den einschlägigen Fachbibliographien. Nach wie vor erscheinen viele Personalbibliographien noch in gedruckter Form. Beispiele für elektronische Personalbibliographien sind:

Gerade bei den Personalbibliographien ist auf die sogenannten versteckten Bibliographien zu achten, das sind Bibliographien, die als unselbstständiger Teil von übergeordneten Werken erscheinen, ohne auf dem Titelblatt genannt zu sein.

II. 5 Biographische Verzeichnisse

Biographische Verzeichnisse bieten Kurzbiographien und bibliographische Hinweise zu einer Vielzahl von Personen einer Region, einer Berufsgruppe oder einer Epoche. Sie sind vor allem dann von Bedeutung, wenn zu der gesuchten Person keine eigene Biographie und keine Personalbibliographie vorliegen. Unterschieden wird zwischen allgemeinen (verzeichnen Personen aller Fachrichtungen) und fachspezifischen biographischen Verzeichnissen (verzeichnen nur Personen eines Fachgebiets, z.B. Militärs, Historiker). Die wichtigsten allgemeinen deutschen biographischen Verzeichnisse, die Allgemeine Deutsche Biographie und die Neue Deutsche Biographie (insgesamt 79 Bände) liegen in einer Online-Version vor, ebenso das umfangreichste internationale biographische Verzeichnis, das World Biographical Information System, das rund 6 Millionen Personen verzeichnet.

Über das Biographie-Portal sind die Artikel der ADB und der NDB über ein gemeinsames Register gemeinsam mit den Artikeln des Österreichischen Biographischen Lexikons (ÖBL) und des Historischen Lexikons der Schweiz erschlossen.

Beispiele für fachspezifisch historische biographische Verzeichnisse sind:


Informationsressourcen: III. Zeitschriftenliteratur und zu Datenbanken
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Bei den Informationsmitteln zur Zeitschriftenliteratur lässt sich unterscheiden zwischen (1) Zeitschriftenverzeichnissen, die nur die Titel der Zeitschriften nachweisen, (2) Zeitschrifteninhaltsverzeichnissen, die auch die Titel der in den Zeitschriften publizierten Aufsätze verzeichnen, und (3) Volltextdatenbanken, die auch die Volltexte der nachgewiesenen Zeitschriftenaufsätze enthalten.

III.1 Zeitschriftenverzeichnisse

Die wichtigsten Zeitschriftenverzeichnisse des deutschsprachigen Raums sind die Zeitschriftendatenbank und die Elektronische Zeitschriftenbibliothek. Indem sie den Gesamtbestand aller enthaltenen Zeitschriften unabhängig vom Bestand (bzw. von einer Lizenzierung) einzelner Bibliotheken nachweisen, die Bibliotheken mit Bestandsnachweisen (bzw. Lizenz) jedoch anzeigen, vereinen beide Verzeichnisse die Funktionen von Bibliothekskatalogen und Bibliographien.

a) Zeitschriftendatenbank

Die Zeitschriftendatenbank (ZDB) verzeichnet Zeitschriften und andere Arten fortlaufender Sammelwerke (z.B. Jahrbücher, Schriftenreihen, Zeitungen) von 1500 bis zur Gegenwart. Mit mehr als 1,2 Millionen Titel- und über 6 Millionen Besitznachweisen ist sie die weltweit umfassendste Datenbank ihrer Art. Betrieben wird die ZDB von der Staatsbibliothek zu Berlin, die Titeldaten stammen von ca. 4300 deutschen Bibliotheken. Zu jedem Zeitschriftenartikel wird – sortiert nach der Reihenfolge der deutschen Leihverkehrsregionen – eine Liste der Bibliotheken angezeigt, die die entsprechende Zeitschrift besitzen. Auch nach Besitznachweisen für einen einzelnen Jahrgang kann recherchiert werden. Auf die Titel von Vorgänger- und Nachfolgezeitschriften wird verwiesen bzw. verlinkt. Ein Zugriff auf die Zeitschriften zur Geschichtswissenschaft ist über eine Anzeige der Fachgebiete möglich. Hier lassen sich z.B. die Zeitschriften zur Alten Geschichte (97), zur mittelalterlichen Geschichte (100) und zur deutschen Landesgeschichte (260) anzeigen. Insgesamt sind für den Fachbereich Geschichte über 16 000 Zeitschriften verzeichnet.

b) Elektronische Zeitschriftenbibliothek

Die Elektronische Zeitschriftenbibliothek (EZB) weist nur Zeitschriften nach, deren Inhalte in elektronischen Volltexten kostenfrei oder lizenzpflichtig zur Verfügung stehen (E-Journals). Insgesamt umfasst die EZB rund 45 000 Zeitschriftentitel aus mehr als 500 Bibliotheken mit Informationen zur Zugänglichkeit. Die Zugänglichkeit der einzelnen Zeitschriften ist durch ein Ampelsystem gekennzeichnet: Das grüne Symbol bedeutet, dass die Zeitschrift kostenlos angeboten wird und daher ortsunabhängig zur Verfügung steht (Open Access). Das gelbe Symbol bedeutet, dass die Zeitschrift lizenzpflichtig ist, die lokale Bibliothek diesen Titel jedoch lizenziert hat. Der Zugang kann hierbei über die Rechner der lizenzierenden Bibliothek erfolgen oder in vielen Fällen auch ortsunabhängig, wenn sich der Nutzer mit der Nummer des Bibliotheksausweises und einem Passwort identifizieren kann (Remote Access). Kein Zugriffsrecht besteht auf E-Journals mit dem roten Symbol. Diese Zeitschriften sind kosten-pflichtig und werden von der lokalen Bibliothek nicht lizenziert. Bei der Recherche kann die lokale – oder auch eine andere – Bibliothek ausgewählt werden oder der Gesamtbestand (hierbei wird nur zwischen kostenfrei zugänglichen und nicht zugänglichen E-Journals unterschieden). Auch in der EZB steht eine Fächerliste zur Verfügung, zur Geschichte sind rund 2000 elektronische Zeitschriften nachgewiesen.

III.2 Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse

Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse weisen nicht nur die Titel der Zeitschriften, sondern auch die der darin enthaltenen Aufsätze nach. Besonders wichtige Zeitschrifteninhaltsverzeichnisse für die Geschichtswissenschaft sind der Periodicals Index Online, die Internationale Bibliographie der geites- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur sowie die Online Contents Geschichte und die Online Contents Zeitgeschichte.

Der Periodicals Index Online (PIO) ist nicht auf die Geschichtswissenschaften beschränkt, allerdings weist er einen Schwerpunkt im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften auf und ist mit mehr als 17 Millionen verzeichneten Aufsätzen sehr umfangreich (allein zur allgemeinen Geschichte sind rund 1,5 Millionen Aufsatztitel nachgewiesen).

Ebenfalls nicht auf die Geschichtswissenschaft beschränkt ist die Internationale Bibliographie der geistes- und sozialwissenschaftlichen Zeitschriftenliteratur (IBZ). Sie weist mehr als 3,1 Millionen Zeitschriftenaufsätze aus ca. 11 500 Zeitschriften der Jahre 1983ff. nach. Rund 265 000 Aufsätze betreffend das Fachgebiet Geschichte.

Für die Online Contents Geschichte (auch OLC SSG Geschichte) werden rund 1000 wissenschaftliche Zeitschriften aus allen Bereichen der Geschichtswissenschaften ausgewertet, meist reicht der Berichtszeitraum bis 1993 zurück. Nachgewiesen sind rund 800 000 Aufsätze und Rezensionen zur Geschichte und den angrenzenden Disziplinen. Dieselbe Struktur weisen auch die Online Contents Zeitgeschichte (OLC SSG Zeitgeschichte) auf. Diese Datenbank wertet mehr als 250 Zeitschriften ab 1993 (teilweise auch ab 1945) aus, insgesamt umfasst die Datenbank rund 210 000 Zeitschriftenbeiträge.

III.3 Zeitschriftenarchive

Die Inhalte aktueller E-Journals werden – gemeinsam mit der monographischen Literatur (E-books) – von den großen Zeitschriftenverlagen und Medienkonzernen meist auf eigenen Internetplattformen angeboten. Zugänglich sind die Inhalte nur, wenn die lokale Bibliothek das jeweilige Angebot lizenziert hat oder eine Nationallizenz vorliegt.

Datenbanken mit den Volltexten älterer Fachzeitschriften werden zumeist als Zeitschriftenarchive bezeichnet. Für die Geschichte sind hierbei vor allem das:

  • Periodicals Archive Online

  • DigiZeitschriften

zu erwähnen.

Periodicals Archive Online (PAO) umfasst die Volltexte eines Teils der im Periodicals Index Online verzeichneten Titel. Insgesamt umfasst PAO mehr als 4 Millionen Zeitschriftenartikel im Volltext, was rund 13 Millionen Druckseiten entspricht. Die enthaltenen Aufsätze reichen gewöhnlich von der Gründung der Zeitschriften bis ins Jahr 2000. Für die Fachgruppe Geschichte stehen mehr als 350 000 Artikel zur Verfügung.

Eine Besonderheit der Zeitschriftenarchive JSTOR und DigiZeitschriften ist das Prinzip der Moving Wall, also der beweglichen Wand, zwischen dem aktuellen Jahrgang einer Zeitschrift und dem letzten in der Datenbank enthaltenen Band. Beträgt dieser Abstand, der zwischen dem Verleger der Zeitschrift und dem Zeitschriftenarchiv vereinbart wird, beispielsweise fünf Jahre, so wird 2010 der Band 2005 in das Angebot des Zeitschriftenarchivs übernommen, 2011 der Band 2006 usw. Mit dem Deutschen Archiv zur Erforschung des Mittelalters, Historia, der Historischen Zeitschrift und dem Historischen Jahrbuch enthält DigiZeitschriften die Volltexte einiger der wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften zur Geschichte. Einen deutlich größeren Bestand weist JSTOR auf, allerdings liegt der Schwerpunkt hier auf englischsprachigen Zeitschriften.

III.4 Datenbankverzeichnisse

Fast alle umfassenden Informationsressourcen – Bibliothekskataloge, Bibliographien, biographische Verzeichnisse, Online-Lexika, etc. – sind heute in Form von Datenbanken aufgebaut. Ein verlässlicher Überblick über die allgemeinen und fachbezogenen Datenbanken ist daher für den Erfolg einer Informationsrecherche unerlässlich.

Das wichtigste Verzeichnis für wissenschaftliche Datenbanken, die von Bibliotheken des deutschsprachigen Raums angeboten werden, ist das Datenbank-Infosystem (DBIS). DBIS weist den Datenbankbestand von mehr als 200 Bibliotheken nach, insgesamt sind über 8000 Datenbanken verzeichnet. Da es sich bei einem Großteil der verzeichneten Datenbanken um lizenzpflichtige Angebote handelt, unterscheidet sich die lokale Zugänglichkeit der einzelnen Datenbanken von Bibliothek zu Bibliothek. Aus diesem Grund können Nutzer bei der Recherche in DBIS die Oberfläche ihrer lokalen Bibliothek auswählen, dann erhalten sie neben den Beschreibungen zu den einzelnen Datenbanken auch Informationen über die lokale Verfügbarkeit. Wird DBIS auf den Rechnern einer Bibliothek bzw. einer Hochschule benutzt, sind deren Datenbankauswahl und ihre Verfügbarkeiten voreingestellt (erkennbar am Logo und Namen der Bibliothek in der Kopfzeile), wird DBIS von einem privaten Rechner benutzt, wird der Gesamtbestand angezeigt. In jedem Fall kann die vorliegende Einstellung beliebig verändert werden. Der Bestand an Fachdatenbanken für die Geschichtswissenschaften, der in DBIS verzeichnet wird, umfasst mehr als 800 Titel, darunter zahlreiche Fachbibliographien, Volltextdatenbanken, Fachportale, Faktendatenbanken, biographische Datenbanken und Nachschlagewerke.


Informationsressourcen: IV. Elektronische Texte und Digitale Bibliotheken
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Aufgrund der vielfältigen Vorteile dieser Publikationsform (orts- und zeitunabhängiger Zugriff, Volltextdurchsuchbarkeit, Verlinkungsmöglichkeiten, etc.) wird heute ein immer größerer Anteil der wissenschaftlichen Texte in digitaler Form veröffentlicht. Beständig erweitert wird das Angebot an digital zugänglichen Texten auch durch die sehr umfänglichen Aktivitäten vieler Bibliotheken und kommerzieller Anbieter im Bereich der Retrodigitalisierung. Hierbei werden gedruckte Texte nachträglich, zum Teil mit Hilfe von speziellen Robotern, gescannt und elektronisch angeboten. Wo die Typographie der Druckausgaben dies erlaubt, werden die Digitalisate in der Regel mit einer speziellen OCR-Software (Optical Character Recogniton) bearbeitet und stehen dann in maschinenlesbarer Schrift auch für die Volltextsuche zur Verfügung. Während einige Bibliotheken nur einzelne Werke oder spezielle Sammlungen in digitaler Form präsentieren, stellen andere umfassende Digitale Bibliotheken zusammen. Allerdings erhöht gerade die Vielzahl von Digitalisierungsprojekten unterschiedlicher Bibliotheken oft die Schwierigkeiten bei der Recherche nach den für die eigene Fragestellung relevanten Dokumenten. Verschiedene Projekte bemühen sich daher, die bestehenden Angebote in übergreifenden Informationsressourcen zu bündeln und zugänglich zu machen.

a) Zentrales Verzeichnis Digitaler Drucke

Ziel des 2005 begründeten Zentralen Verzeichnis Digitalisierter Drucke (ZVDD) ist der Nachweis aller vollständig digitalisierten Drucke von 1501 bis zur Gegenwart, die kostenfrei im Internet angebotenen werden. Aufgenommen und erschlossen werden in erster Linie umfassende thematische Sammlungen einzelner Bibliotheken. Derzeit weist das ZVDD rund 500 000 Datensätze unterschiedlichen Umfangs nach, darunter auch viele für die Geschichte und Kulturgeschichte relevante Dokumente. In den Beständen lässt sich nach zahlreichen Kriterien recherchieren, die Volltextrecherche wird bisher allerdings nur für wenige Sammlungen angeboten.

b) Internationale Projekte

Zugang zu den – konventionellen und digitalen – Sammlungen zahlreicher europäischer Bibliotheken ermöglicht The European Library (TEL). Eingebunden in die Metasuche sind sowohl die digitalen Sammlungen als auch die Bibliothekskataloge der 48 teilnehmenden Nationalbibliotheken, eine Beschränkung der Suche auf die digitalen Bestände ist möglich.

Ausschließlich digitale Angebote verzeichnet Europeana, ein anderes europäisches Projekt, in dem die digitalen Angebote von mehr als 100 Projektpartnern, zumeist Bibliotheken, Archive und Museen, nachgewiesen werden. Neben Texten werden auch Bilder, Audio-Dateien, Filmsequenzen und andere Medienformen angeboten. Neben den traditionellen bibliothekarischen Suchkriterien (Thema, Titel, Urheber eines Dokuments) steht auch eine Datumssuche über die Suchoberfläche oder über einen separaten Zeitstrahl zur Verfügung. Derzeit werden über Europeana rund 4 Millionen Dokumente zugänglich gemacht, 2010 sollen es rund 10 Millionen sein.

Das jüngste internationale Projekt, über das Anbieter aus der ganzen Welt Kulturgüter der Menschheit in digitaler Form anbieten, ist die 2009 freigeschaltete World Digital Library. Die Inhalte stammen von mehr als 50 internationalen Partnerorganisationen, zumeist Bibliotheken, dennoch ist eine Vielzahl von Medienformen vertreten (Bücher, Zeitschriften, Handschriften, Karten, Bilder, Filme und Audio-Files). Derzeit ist der Bestand der World Digital Library allerdings noch äußerst gering.

Das wohl umfangreichste digitale Angebot einer einzelnen Bibliothek mit historischem Schwerpunkt bietet die Library of Congress in Washington mit der Digitalen Bibliothek American Memory.

c) Google Books

Die umfassendste Sammlung von Büchern und Zeitschriften in digitaler Form bietet derzeit Google Books; 2008 umfasste das ständig wachsende Angebot rund 7 Millionen Bücher, die sich im Volltext durchsuchen lassen. Auch wenn diese Digitale Bibliothek von einem kommerziellen Betreiber angeboten wird, entstand sie in Kooperation zahlreicher Bibliotheken, darunter der Bibliotheken der Universitäten von Oxford, Harvard und Princeton sowie der Bayerischen Staatsbibliothek. Urheberrechtsfreie Werke und Werke bei denen Google eine Übereinkunft mit dem jeweiligen Verlag geschlossen hat, können vollständig angezeigt und herunterladen werden. Urheberrechtsgeschützte Werke lassen sich lediglich in Ausschnitten bzw. Auszügen anzeigen. Von jedem Titel verweisen Links auf Online-Buchhandlungen und Bibliotheken, die den entsprechenden Titel besitzen.

d) E-Books-on-Demand

Liegt ein gewünschter Text noch nicht in digitaler Form vor, so besteht für jeden Nutzer die Möglichkeit, die Digitalisierung des Werkes bei einer Bibliothek, die diesen Service anbietet, kostenpflichtig zu bestellen. In Frage kommen hierfür – soweit der Wert und der Zustand des gewünschten Titels eine Digitalisierung zulassen – alle urheberrechtsfreien Werke, (angeboten wird zumeist die Digitalisierung von Werken zwischen 1500 und 1920). Im deutschsprachigen Bereich wird dieser Service, der meist als E-Books-on-Demand oder Digitalisation on Demand (EoD, DoD) bezeichnet wird, von den Universitätsbibliotheken Dresden, Graz, Greifswald, Regensburg, Tirol, Wien, der Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin und der Bayerischen Staatsbibliothek angeboten. Bestellt werden können die gewünschten Titel über einen Link direkt aus dem jeweiligen Bibliothekskatalog heraus, dort wird auch der Preis angezeigt, der vom Umfang des Werkes abhängt. Die Lieferung ist als CD/DVD oder über einen Download möglich.


Informationsressourcen: V. Fachportale und Virtuelle Fachbibliotheken
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Da immer mehr relevante Informationen online dezentral angeboten werden, nimmt auch die Bedeutung von Fachportalen, die wichtige Informationen fachbezogen bündeln und zentrale Einstiegspunkte zu den wichtigen Informationsressourcen eines Faches bilden, immer mehr zu. Aus diesem Grund erarbeiten viele Bibliotheken Fachportale und Virtuelle Fachbibliotheken zu einzelnen Disziplinen. Mit Propylaeum, Chronicon, historicum.net und Clio-Online haben sich für die Geschichte mehrere Angebote etabliert.

a) Propylaeum

Propylaeum ist die Virtuelle Fachbibliothek für Altertumswissenschaften. Vertreten sind derzeit die Fächer Ägyptologie, Alte Geschichte, Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Vor- und Frühgeschichte; eine Erweiterung um die Fachbereiche Alter Orient, Byzantinistik und Mittel- und Neulateinische Philologie ist geplant. Propylaeum bietet Links und Informationen zu fachlich wichtigen Bibliothekskatalogen, Fachzeitschriften und Aufsatzdatenbanken, Fachdatenbanken und Neuerwerbungslisten sowie digitalen Sammlungen und Internetressourcen. Über eine integrierte Suche lassen sich viele dieser Ressourcen gemeinsam absuchen. Weitere Angebote von Propylaeum bestehen in einem E-Doc-Server, auf dem einschlägige Arbeiten publiziert werden können, einem Fachservice, der u.a. auf Stellenausschreibungen, Tagungen und Dissertationsvorhaben hinweist, und einen Dokumentenlieferdienst, über den recherchierte Medien vom Nutzer ortsunabhängig direkt bestellt werden können. Betrieben wird Propylaeum u.a. von der Bayerischen Staatsbibliothek und der Universitätsbibliothek Heidelberg.

b) Chronicon

Das Fachportal Chronicon ist ein Recherche- und Informationssystem zur allgemeinen und europäischen Geschichte, das von der Bayerischen Staatsbibliothek betrieben wird. Das Portal ermöglicht eine Metasuche über eine Vielzahl von einschlägigen Informationsressourcen, darunter Bibliothekskataloge, Bibliographien und Aufsatzdatenbanken, Neuerwerbungslisten, Internetdokumente und elektronische Publikationen, biographische Datenbanken und Kataloge von Sondermaterialien (Handschriften, Inkunabeln, Frühdrucke, Einblattdrucke, Emblemata, etc.). Rechercheergebnisse lassen sich in weiteren Suchschritten verfeinern, in einer Merkliste abspeichern und exportieren, einzelne Suchanfragen können als Alert-Dienst hinterlegt werden. Wie Propylaeum ermöglicht auch Chronicon eine direkte ortsunabhängige Dokumentenlieferung an den Nutzer.

c) historicum.net

historicum.net versteht sich als Netzwerk für die Geschichtswissenschaften, wobei der Schwerpunkt der Themen auf dem Bereich der Geschichte der Neuzeit liegt. Angeboten wird eine Vielzahl von Links, Informationsressourcen und Originalbeiträgen zu einzelnen Ländern und historischen Themen (z.B. Jüdische Geschichte, Reformation, Französische Revolution). Die Rubrik Recherche führt zu den zentralen Informationsressourcen für Historiker und erläutert die wichtigsten Typen. Unter der Rubrik „Lehren und Lernen“ finden sich umfassende Informationen über die Nutzung des Internets in allen Bereichen der universitären Lehre, Unterrichtsmaterialien und E-Tutorials zu historischen Themen. Betrieben wird historicum.net von den Historischen Seminaren der Universitäten München, Köln, Tübingen und Trier, der Deutschen Nationalbibliothek, der Bayerischen Staatsbibliothek sowie weiteren Projektpartnern.

d) Clio-Online

Durch seine Online-Verzeichnisse, Informations- und Rechercheangebote bietet Clio-Online einen effizienten Zugang zu den vielfältigen Online-Ressourcen für die Geschichtswissenschaften. In verschiedenen Rubriken bietet Clio-Online Verzeichnisse u.a. zu Institutionen, Historikern sowie Online-Guides zu thematischen, regionalen und übergreifenden Aspekten der Geschichtswissenschaften. Weiterführende Recherchemöglichkeiten bieten eine Metasuche in verschiedenen Typen von Informationsressourcen (Bibliothekskatalogen, Bibliographien, Aufsatzdatenbanken, Bilder- und Kartendatenbanken, etc.) und innerhalb einer Rezensionsdatenbank, in der die Rezensionen zahlreicher Rezensionsjournale und Fachzeitschriften nachgewiesen sind. Besonders hinzuweisen ist auf den sehr gut erschlossenen Webkatalog, in dem rund 10 000 qualitätskontrollierte Internetressourcen verzeichnet, beschrieben und mit Hilfe einer Suchmaschine recherchierbar sind. Getragen wird das Projekt von einer Vielzahl von Projektpartnern, darunter die Humboldt Universität zu Berlin, die Bayerische Staatsbibliothek und die SUB Göttingen.

Neben den hier aufgeführten Fachportalen und Virtuellen Fachbibliotheken existiert noch eine Vielzahl weiterer fachlicher Angebote, die für Historiker relevant sind. Zu nennen sind vor allem die Virtuellen Fachbibliotheken zu einzelnen Kulturräumen, z.B. die z.B. Virtual Library Anglo-American Culture: History (Vlib AAC: History) für den angloamerikanischen Kulturraum (Großbritannien und Irland, Nordamerika, Australien und Neuseeland), die vifa nord für Nordeuropa und den Ostseeraum und MENALIB für Vorderen Orient. Eine umfassende Übersicht über alle fach- und regionalbezogenen Informationsangebote bietet das Portal Vascoda.


Informationsressourcen: VI. Navigations-, Auskunfts- und Kommunikationssysteme
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a) Navigationssysteme

Nicht nur die Anzahl der Dokumente, die in elektronischer Form zur Verfügung stehen, auch die Zahl und die Komplexität der allgemeinen und fachspezifischen Informationsressourcen haben sich in den letzten Jahren entscheidend erhöht. Um Studenten und Fachwissenschaftlern den Überblick und die Orientierung im immer weiter wachsenden Angebot der Informationsressourcen zu erleichtern, werden vielfach spezielle Navigationssysteme angeboten. Das wichtigste Navigationssystem für den Wissenschaftsbetrieb im deutschsprachigen Raum ist LOTSE (Library Online Tour and Self-Paced Education), ein von Bibliotheken entwickeltes System, das einen fachspezifischen Überblick zu allen für das wissenschaftliche Arbeiten, Forschen und Lehren relevanten Themen bietet. In der Oberfläche von LOTSE lässt sich die lokale Bibliothek, das gewünschte Fach sowie der Grad der eigenen Vorkenntnisse (Anfänger oder Experte) einstellen. Unter Berücksichtigung dieser Informationen wird dann ein Informationsangebot erstellt, das dem Nutzer – eingeteilt in sieben Lernpfade – die wichtigsten Angebote, Hilfsmittel und Informationen zu folgenden Bereichen vorstellt: Bibliothek benutzen, Lernen & forschen, Literatur suchen, Literatur beschaffen, Kontakte finden & pflegen, Auf dem Laufenden bleiben und Fakten suchen.

b) Kommunikationssysteme

Der wissenschaftlichen Kommunikation und dem Austausch von Fachinformationen dient eine Vielzahl computergestützter Kommunikationssysteme. Die zur Unterstützung der Kommunikation verwendete Software wird vielfach als Social Software bezeichnet. Die am häufigsten verwendeten Techniken der wissenschaftlichen Kommunikation sind Newsletter, Mailinglisten, Internetforen, Wikis und wissenschaftliche Weblogs. Während die Nutzer solcher Informationsdienste zum Teil aktiv auf die angebotenen Informationen und Datenbestände zugreifen müssen (pull), erhalten sie diese zum Teil auch automatisch zugestellt (push).

Das wichtigste elektronisch unterstützte Kommunikationssystem für Historiker ist H-Soz-u-Kult (Humanities Sozial- und Kulturgeschichte). H-Soz-u-Kult ist ein Fachforum und eine moderierte Informations- und Kommunikationsplattform, es bietet u.a. eine Stellenbörse, eine Projektdatenbank, in der auf laufende wissenschaftliche Projekte hingewiesen wird, Tagungsberichte, einen Terminkalender, sowie Verzeichnisse fachwissenschaftlicher Zeitschriften und Websites. Ausführlichere Auseinandersetzungen mit einzelnen Themenkomplexen ermöglichen die Foren, wo Originalveröffentlichungen und Diskussionsbeiträge zu Fachthemen publiziert werden. Alle Beiträge, Berichte, Rezensionen, Stellenangebote etc. sind auf der Website von H-Soz-u-Kult recherchierbar oder können über E-Mail oder RSS bezogen werden.

c) Auskunftssysteme

Nach wie vor spielt die individuelle Auskunft in Bibliotheken eine große Rolle, allerdings wird auch dieser Bereich zunehmend von elektronischen Systemen unterstützt. Häufige Formen sind der Chat, der Chatbot und kooperative Auskunftsdienste.

Bei der Chat-Auskunft sind der Nutzer und der Auskunft gebende Bibliothekar zeitgleich (synchron) über eine räumliche Distanz hinweg miteinander verbunden. Fragen, Rückfragen, Konkretisierungen und Antworten können sich im Chat daher wesentlich besser entfalten als in der herkömmlichen schriftlichen Auskunft, allerdings ist der Chat an gewisse Zeiten gebunden. Praktiziert wird in Bibliotheken meist nur der reine Text-Chat, Audio- und Video-Chats werden kaum angeboten.

Eine völlig automatisierte Form des Chats bildet der Chatbot (auch Bot, Chat-Roboter, Chatterbot). Bei dieser Form der Auskunft gibt der Benutzer seine Frage in natürlicher Sprache in eine Eingabezeile ein, die Antwort wird dann aufgrund einer Analyse der Daten vollautomatisch produziert und – zum Teil ergänzt durch Links auf die entsprechenden Angebote der Bibliothek – ausgegeben. Chatbots stehen den Nutzern rund um die Uhr zur Verfügung, meist beherrschen sie auch einfache Formen des Smalltalks. Die bekanntesten Chatbots des deutschen Bibliothekswesens sind Stella und ASKademicus, Angebote der SuB Hamburg und der TUB Dortmund.

Immer häufiger kooperieren Bibliotheken auch bei der Auskunftserteilung. Ein weltweit von Bibliotheken eingesetzter Auskunftsdienst ist Question-Point. Hier unterstützt eine Software die Verwaltung der eingegangenen Frage (Eingangsbestätigung, Prüfung der Frage in einer zentralen Wissensdatenbank) und erlaubt die Weiterleitung an eine Partnerbibliothek, die für die Frage aus fachlichen Gründen besonders kompetent ist.


Fazit
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Moderne wissenschaftliche Bibliotheken bieten ihren Nutzern weitaus mehr als eine Sammlung der einschlägigen Druckwerke zu ihren jeweiligen Fachgebieten. Durch die von ihnen bereitgestellten und erarbeiteten Informationsressourcen und durch ihre umfassenden Serviceleistungen im gesamten Spektrum der Informationsvermittlung bilden sie Kristallisationspunkte der wissenschaftlichen Informationsversorgung. Damit erweitert sich nicht nur der Aufgabenbereich wissenschaftlicher Bibliotheken innerhalb der akademischen Forschung und Lehre, durch die gestiegene Bedeutung der Ressource Information in der heutigen Wissensgesellschaft wächst auch die gesellschaftliche Bedeutung von Bibliotheken.


Literatur
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Die folgenden Publikationen bieten einen ersten Einstieg in das deutsche Bibliothekswesen bzw. in die Arbeit mit Bibliotheksmaterialien für Historiker. Zentraler Ausgangspunkt für alle weiterführenden Informationsrecherchen zu den Bereichen des Bibliotheks-, Buch- und Informationswesens bildet das Wissenschaftsportal b2i, bei Fragestellungen zu den Geschichtswissenschaften und für Informationen zu fachspezifischen Informationsquellen sind auch die im Text aufgeführten historischen Virtuellen Fachbibliotheken und Fachportale zu empfehlen.

Ahasver von Brandt, Werkzeug des Historikers. Eine Einführung in die historischen Hilfswissenschaften. – 17. Aufl. mit aktualisierten Literaturnachträgen und einem Nachwort von Franz Fuchs, Stuttgart 2007.

Rudolf Frankenberger / Klaus Haller (Hrsg.), Die moderne Bibliothek. Ein Kompendium der Bibliotheksverwaltung, München 2004.

Klaus Gantert / Rupert Hacker, Bibliothekarisches Grundwissen. – 8., vollst. neu bearbeitete und erw. Aufl., München 2008.

Staatsbibliothek zu Berlin (Hrsg.), Internationale Bibliographie der Bibliographien 1959-1989 / International Bibliography of Bibliographies 1959-1989 (IBB). Band 2: Bildungswesen und Erziehung / Geographie, Kartographie, Geodäsie / Geschichte, München 1998.

Verein Deutscher Bibliothekare (VDB) (Hrsg.), Jahrbuch der deutschen Bibliotheken, Wiesbaden [aktuelle Ausgabe 62.2007/08, verzeichnet rund 630 wissenschaftliche Bibliotheken].

Engelbert Plassmann / Jürgen Seefeldt, Das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland. Ein Handbuch, 3. Aufl. des durch Gisela von Busse und Horst Ernestus begründeten Werkes, Wiesbaden 1999.

Engelbert Plassmann, u.a., Bibliotheken und Informationsgesellschaft in Deutschland. Eine Einführung, Wiesbaden 2006.

Ray Prytherch, Harrod´s Librarians´ Glossary. A Reference Book. A Directory of Over 12 200 Terms, Organizations, Projects and Acronyms in the Areas of Information, Management, Library Science, Publishing and Archive Management, 10. Aufl., Aldershot 2005.

Jürgen Seefeldt / Ludger Syré, Portale zu Vergangenheit und Zukunft. Bibliotheken in Deutschland, 3. überarbeitete Aufl., Hildesheim 2007.

Spezialbibliotheken in Deutschland, Bd. 4 Geschichte, Historische Hilfswissenschaften. Verzeichnis der Bibliotheken in Stätten der Forschung und Lehre, in Archiven, Museen und Gedenkstätten sowie historischen Vereinen und Gesellschaften. Mit einem Anhang deutsche Bibliotheken im Ausland, Bad Honnef 1999.

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