Geht man von der Prämisse aus, dass wissenschaftliches Publizieren grundsätzlich sowohl digital als auch als Printausgabe erfolgen kann, wird das Publikations- und Rezeptionsverhalten der WissenschaftlerInnen des jeweiligen Faches zum entscheidenden Kriterium für die Wahl der Publikationsart.
Unterscheiden sich die einzelnen Disziplinen und Fachgemeinschaften in ihren Zitations- und Publikationsgewohnheiten? Zwar zeigt ein Blick auf die Statistiken der Deutschen Bibliothek zur Zahl der von ihr archivierten Hochschulschriften seit dem Jahr 2000 einen stetigen Zuwachs an Online-Publikationen. Aber diese Entwicklung vollzieht sich vorwiegend in den Bereichen der Biowissenschaften, der Medizin und Physik.[1] Die Geschichts- und Sozialwissenschaften liegen mit einem Prozentanteil digitaler Publikationen im Vergleichszeitraum 2003 von 11,6% bzw. 17,5 % am unteren Ende der Skala.
Auch im Sektor der unselbständigen Publikationen bestätigt sich dieses Bild weitgehend:[2] Obwohl die Zuwachsrate an parallelen Online-Ausgaben bei geisteswissenschaftlichen Zeitschriften in den Jahren 1998-2003 mit 1.700% am höchsten lag, bleiben die Natur- und Technikwissenschaften der absoluten Zahl nach die stärkste Gruppe. Bei reinen Online-Zeitschriften ist die hohe Zuwachsrate in den Sozialwissenschaften auffallend, die hier vor den Natur- und Geisteswissenschaften lag. In allen Bereichen sank bzw. stagnierte der prozentuale Anteil ausschließlich online verfügbarer Titel. Die Geisteswissenschaften sind mit einem Anteil von knapp 30% reiner Online-Publikationen vor den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (15%) und den STM-Fachgebieten (Science, Technology, Medicine) (knapp 8%) führend.

Abb. 1 : Anzahl der Online-Dissertationen nach Fächern, 2004 (Daten Der Deutschen Bibliothek). [1] Weitere Statistiken zum Thema finden Sie [hier].
Das Publikationsverhalten der Wissenschaftler/innen in verschiedenen Fachbereichen ergibt somit kein einheitliches Bild. In den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen ist bei Monographien und Zeitschriftenpublikationen eine einheitliche Tendenz zur digitalen Publikation zu verzeichnen. Geistes- und Sozialwissenschaftler/innen hingegen scheinen in ihrem Publikationsverhalten stärker zu differenzieren und der gedruckten Monographie eine höhere Wertschätzung entgegenzubringen.
[1] Vgl. dazu die Statistiken der Deutschen Bibliothek: <http://deposit.ddb.de/netzpub/statistik/Zahl-HS.htm>; <http://deposit.ddb.de/netzpub/statistik/HS-Jahr.htm>.
[2] Vgl. dazu Keller, Alice, Elektronische Zeitschriften: Entwicklungen in den verschiedenen Wissenschaftszweigen, in: Zeitenblicke 2,2 (2003), S. 1-14, v.a. Abschnitt 23 ff. <http://www.zeitenblicke.historicum.net/2003/02/keller.html>; Klötgen, Stephanie, Elektronische Zeitschriften in ausgewählten Wissenschaftsgebieten: ein Vergleich. Fachhochschule Köln, Fachbereich Bibliotheks- und Informationswissenschaften, Köln 2000.