Klaus Gantert: Bibliotheken [PDF-Version]

Informationsressourcen: VI. Navigations-, Auskunfts- und KommunikationssystemeEinzelseiten Modus

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a) Navigationssysteme

Nicht nur die Anzahl der Dokumente, die in elektronischer Form zur Verfügung stehen, auch die Zahl und die Komplexität der allgemeinen und fachspezifischen Informationsressourcen haben sich in den letzten Jahren entscheidend erhöht. Um Studenten und Fachwissenschaftlern den Überblick und die Orientierung im immer weiter wachsenden Angebot der Informationsressourcen zu erleichtern, werden vielfach spezielle Navigationssysteme angeboten. Das wichtigste Navigationssystem für den Wissenschaftsbetrieb im deutschsprachigen Raum ist LOTSE (Library Online Tour and Self-Paced Education), ein von Bibliotheken entwickeltes System, das einen fachspezifischen Überblick zu allen für das wissenschaftliche Arbeiten, Forschen und Lehren relevanten Themen bietet. In der Oberfläche von LOTSE lässt sich die lokale Bibliothek, das gewünschte Fach sowie der Grad der eigenen Vorkenntnisse (Anfänger oder Experte) einstellen. Unter Berücksichtigung dieser Informationen wird dann ein Informationsangebot erstellt, das dem Nutzer – eingeteilt in sieben Lernpfade – die wichtigsten Angebote, Hilfsmittel und Informationen zu folgenden Bereichen vorstellt: Bibliothek benutzen, Lernen & forschen, Literatur suchen, Literatur beschaffen, Kontakte finden & pflegen, Auf dem Laufenden bleiben und Fakten suchen.

b) Kommunikationssysteme

Der wissenschaftlichen Kommunikation und dem Austausch von Fachinformationen dient eine Vielzahl computergestützter Kommunikationssysteme. Die zur Unterstützung der Kommunikation verwendete Software wird vielfach als Social Software bezeichnet. Die am häufigsten verwendeten Techniken der wissenschaftlichen Kommunikation sind Newsletter, Mailinglisten, Internetforen, Wikis und wissenschaftliche Weblogs. Während die Nutzer solcher Informationsdienste zum Teil aktiv auf die angebotenen Informationen und Datenbestände zugreifen müssen (pull), erhalten sie diese zum Teil auch automatisch zugestellt (push).

Das wichtigste elektronisch unterstützte Kommunikationssystem für Historiker ist H-Soz-u-Kult (Humanities Sozial- und Kulturgeschichte). H-Soz-u-Kult ist ein Fachforum und eine moderierte Informations- und Kommunikationsplattform, es bietet u.a. eine Stellenbörse, eine Projektdatenbank, in der auf laufende wissenschaftliche Projekte hingewiesen wird, Tagungsberichte, einen Terminkalender, sowie Verzeichnisse fachwissenschaftlicher Zeitschriften und Websites. Ausführlichere Auseinandersetzungen mit einzelnen Themenkomplexen ermöglichen die Foren, wo Originalveröffentlichungen und Diskussionsbeiträge zu Fachthemen publiziert werden. Alle Beiträge, Berichte, Rezensionen, Stellenangebote etc. sind auf der Website von H-Soz-u-Kult recherchierbar oder können über E-Mail oder RSS bezogen werden.

c) Auskunftssysteme

Nach wie vor spielt die individuelle Auskunft in Bibliotheken eine große Rolle, allerdings wird auch dieser Bereich zunehmend von elektronischen Systemen unterstützt. Häufige Formen sind der Chat, der Chatbot und kooperative Auskunftsdienste.

Bei der Chat-Auskunft sind der Nutzer und der Auskunft gebende Bibliothekar zeitgleich (synchron) über eine räumliche Distanz hinweg miteinander verbunden. Fragen, Rückfragen, Konkretisierungen und Antworten können sich im Chat daher wesentlich besser entfalten als in der herkömmlichen schriftlichen Auskunft, allerdings ist der Chat an gewisse Zeiten gebunden. Praktiziert wird in Bibliotheken meist nur der reine Text-Chat, Audio- und Video-Chats werden kaum angeboten.

Eine völlig automatisierte Form des Chats bildet der Chatbot (auch Bot, Chat-Roboter, Chatterbot). Bei dieser Form der Auskunft gibt der Benutzer seine Frage in natürlicher Sprache in eine Eingabezeile ein, die Antwort wird dann aufgrund einer Analyse der Daten vollautomatisch produziert und – zum Teil ergänzt durch Links auf die entsprechenden Angebote der Bibliothek – ausgegeben. Chatbots stehen den Nutzern rund um die Uhr zur Verfügung, meist beherrschen sie auch einfache Formen des Smalltalks. Die bekanntesten Chatbots des deutschen Bibliothekswesens sind Stella und ASKademicus, Angebote der SuB Hamburg und der TUB Dortmund.

Immer häufiger kooperieren Bibliotheken auch bei der Auskunftserteilung. Ein weltweit von Bibliotheken eingesetzter Auskunftsdienst ist Question-Point. Hier unterstützt eine Software die Verwaltung der eingegangenen Frage (Eingangsbestätigung, Prüfung der Frage in einer zentralen Wissensdatenbank) und erlaubt die Weiterleitung an eine Partnerbibliothek, die für die Frage aus fachlichen Gründen besonders kompetent ist.


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