| Informationsressourcen: IV. Elektronische Texte und Digitale Bibliotheken |  |
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Aufgrund
der vielfältigen Vorteile dieser Publikationsform (orts- und
zeitunabhängiger Zugriff, Volltextdurchsuchbarkeit,
Verlinkungsmöglichkeiten, etc.) wird heute ein immer größerer Anteil
der wissenschaftlichen Texte in digitaler Form veröffentlicht.
Beständig erweitert wird das Angebot an digital zugänglichen Texten
auch durch die sehr umfänglichen Aktivitäten vieler Bibliotheken und
kommerzieller Anbieter im Bereich der Retrodigitalisierung. Hierbei
werden gedruckte Texte nachträglich, zum Teil mit Hilfe von speziellen
Robotern, gescannt und elektronisch angeboten. Wo die Typographie der
Druckausgaben dies erlaubt, werden die Digitalisate in der Regel mit
einer speziellen OCR-Software (Optical Character Recogniton) bearbeitet
und stehen dann in maschinenlesbarer Schrift auch für die Volltextsuche
zur Verfügung. Während einige Bibliotheken nur einzelne Werke oder
spezielle Sammlungen in digitaler Form präsentieren, stellen andere
umfassende Digitale Bibliotheken zusammen. Allerdings erhöht gerade die
Vielzahl von Digitalisierungsprojekten unterschiedlicher Bibliotheken
oft die Schwierigkeiten bei der Recherche nach den für die eigene
Fragestellung relevanten Dokumenten. Verschiedene Projekte bemühen sich
daher, die bestehenden Angebote in übergreifenden
Informationsressourcen zu bündeln und zugänglich zu machen.
a) Zentrales Verzeichnis Digitaler Drucke
Ziel des 2005 begründeten Zentralen Verzeichnis Digitalisierter Drucke
(ZVDD) ist der Nachweis aller vollständig digitalisierten Drucke von
1501 bis zur Gegenwart, die kostenfrei im Internet angebotenen werden.
Aufgenommen und erschlossen werden in erster Linie umfassende
thematische Sammlungen einzelner Bibliotheken. Derzeit weist das ZVDD
rund 500 000 Datensätze unterschiedlichen Umfangs nach, darunter auch
viele für die Geschichte und Kulturgeschichte relevante Dokumente. In
den Beständen lässt sich nach zahlreichen Kriterien recherchieren, die
Volltextrecherche wird bisher allerdings nur für wenige Sammlungen
angeboten.
b) Internationale Projekte
Zugang zu den – konventionellen und digitalen – Sammlungen zahlreicher europäischer Bibliotheken ermöglicht The European Library
(TEL). Eingebunden in die Metasuche sind sowohl die digitalen
Sammlungen als auch die Bibliothekskataloge der 48 teilnehmenden
Nationalbibliotheken, eine Beschränkung der Suche auf die digitalen
Bestände ist möglich.
Ausschließlich digitale Angebote verzeichnet Europeana,
ein anderes europäisches Projekt, in dem die digitalen Angebote von
mehr als 100 Projektpartnern, zumeist Bibliotheken, Archive und Museen,
nachgewiesen werden. Neben Texten werden auch Bilder, Audio-Dateien,
Filmsequenzen und andere Medienformen angeboten. Neben den
traditionellen bibliothekarischen Suchkriterien (Thema, Titel, Urheber
eines Dokuments) steht auch eine Datumssuche über die Suchoberfläche
oder über einen separaten Zeitstrahl zur Verfügung. Derzeit werden über
Europeana rund 4 Millionen Dokumente zugänglich gemacht, 2010 sollen es
rund 10 Millionen sein.
Das jüngste internationale Projekt, über das Anbieter aus der ganzen
Welt Kulturgüter der Menschheit in digitaler Form anbieten, ist die
2009 freigeschaltete World Digital Library. Die Inhalte stammen von
mehr als 50 internationalen Partnerorganisationen, zumeist
Bibliotheken, dennoch ist eine Vielzahl von Medienformen vertreten
(Bücher, Zeitschriften, Handschriften, Karten, Bilder, Filme und
Audio-Files). Derzeit ist der Bestand der World Digital Library allerdings noch äußerst gering.
Das
wohl umfangreichste digitale Angebot einer einzelnen Bibliothek mit
historischem Schwerpunkt bietet die Library of Congress in Washington
mit der Digitalen Bibliothek American Memory.
c) Google Books
Die umfassendste Sammlung von Büchern und Zeitschriften in digitaler Form bietet derzeit Google Books;
2008 umfasste das ständig wachsende Angebot rund 7 Millionen Bücher,
die sich im Volltext durchsuchen lassen. Auch wenn diese Digitale
Bibliothek von einem kommerziellen Betreiber angeboten wird, entstand
sie in Kooperation zahlreicher Bibliotheken, darunter der Bibliotheken
der Universitäten von Oxford, Harvard und Princeton sowie der
Bayerischen Staatsbibliothek. Urheberrechtsfreie Werke und Werke bei
denen Google eine Übereinkunft mit dem jeweiligen Verlag geschlossen
hat, können vollständig angezeigt und herunterladen werden.
Urheberrechtsgeschützte Werke lassen sich lediglich in Ausschnitten
bzw. Auszügen anzeigen. Von jedem Titel verweisen Links auf
Online-Buchhandlungen und Bibliotheken, die den entsprechenden Titel
besitzen.
d) E-Books-on-Demand
Liegt
ein gewünschter Text noch nicht in digitaler Form vor, so besteht für
jeden Nutzer die Möglichkeit, die Digitalisierung des Werkes bei einer
Bibliothek, die diesen Service anbietet, kostenpflichtig zu bestellen.
In Frage kommen hierfür – soweit der Wert und der Zustand des
gewünschten Titels eine Digitalisierung zulassen – alle
urheberrechtsfreien Werke, (angeboten wird zumeist die Digitalisierung
von Werken zwischen 1500 und 1920). Im deutschsprachigen Bereich wird
dieser Service, der meist als E-Books-on-Demand oder Digitalisation on
Demand (EoD, DoD) bezeichnet wird, von den Universitätsbibliotheken
Dresden, Graz, Greifswald, Regensburg, Tirol, Wien, der Bibliothek der
Humboldt-Universität in Berlin und der Bayerischen Staatsbibliothek
angeboten. Bestellt werden können die gewünschten Titel über einen Link
direkt aus dem jeweiligen Bibliothekskatalog heraus, dort wird auch der
Preis angezeigt, der vom Umfang des Werkes abhängt. Die Lieferung ist
als CD/DVD oder über einen Download möglich.