Klaus Gantert: Bibliotheken [PDF-Version]

Informationsressourcen: IV. Elektronische Texte und Digitale BibliothekenEinzelseiten Modus

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Aufgrund der vielfältigen Vorteile dieser Publikationsform (orts- und zeitunabhängiger Zugriff, Volltextdurchsuchbarkeit, Verlinkungsmöglichkeiten, etc.) wird heute ein immer größerer Anteil der wissenschaftlichen Texte in digitaler Form veröffentlicht. Beständig erweitert wird das Angebot an digital zugänglichen Texten auch durch die sehr umfänglichen Aktivitäten vieler Bibliotheken und kommerzieller Anbieter im Bereich der Retrodigitalisierung. Hierbei werden gedruckte Texte nachträglich, zum Teil mit Hilfe von speziellen Robotern, gescannt und elektronisch angeboten. Wo die Typographie der Druckausgaben dies erlaubt, werden die Digitalisate in der Regel mit einer speziellen OCR-Software (Optical Character Recogniton) bearbeitet und stehen dann in maschinenlesbarer Schrift auch für die Volltextsuche zur Verfügung. Während einige Bibliotheken nur einzelne Werke oder spezielle Sammlungen in digitaler Form präsentieren, stellen andere umfassende Digitale Bibliotheken zusammen. Allerdings erhöht gerade die Vielzahl von Digitalisierungsprojekten unterschiedlicher Bibliotheken oft die Schwierigkeiten bei der Recherche nach den für die eigene Fragestellung relevanten Dokumenten. Verschiedene Projekte bemühen sich daher, die bestehenden Angebote in übergreifenden Informationsressourcen zu bündeln und zugänglich zu machen.

a) Zentrales Verzeichnis Digitaler Drucke

Ziel des 2005 begründeten Zentralen Verzeichnis Digitalisierter Drucke (ZVDD) ist der Nachweis aller vollständig digitalisierten Drucke von 1501 bis zur Gegenwart, die kostenfrei im Internet angebotenen werden. Aufgenommen und erschlossen werden in erster Linie umfassende thematische Sammlungen einzelner Bibliotheken. Derzeit weist das ZVDD rund 500 000 Datensätze unterschiedlichen Umfangs nach, darunter auch viele für die Geschichte und Kulturgeschichte relevante Dokumente. In den Beständen lässt sich nach zahlreichen Kriterien recherchieren, die Volltextrecherche wird bisher allerdings nur für wenige Sammlungen angeboten.

b) Internationale Projekte

Zugang zu den – konventionellen und digitalen – Sammlungen zahlreicher europäischer Bibliotheken ermöglicht The European Library (TEL). Eingebunden in die Metasuche sind sowohl die digitalen Sammlungen als auch die Bibliothekskataloge der 48 teilnehmenden Nationalbibliotheken, eine Beschränkung der Suche auf die digitalen Bestände ist möglich.

Ausschließlich digitale Angebote verzeichnet Europeana, ein anderes europäisches Projekt, in dem die digitalen Angebote von mehr als 100 Projektpartnern, zumeist Bibliotheken, Archive und Museen, nachgewiesen werden. Neben Texten werden auch Bilder, Audio-Dateien, Filmsequenzen und andere Medienformen angeboten. Neben den traditionellen bibliothekarischen Suchkriterien (Thema, Titel, Urheber eines Dokuments) steht auch eine Datumssuche über die Suchoberfläche oder über einen separaten Zeitstrahl zur Verfügung. Derzeit werden über Europeana rund 4 Millionen Dokumente zugänglich gemacht, 2010 sollen es rund 10 Millionen sein.

Das jüngste internationale Projekt, über das Anbieter aus der ganzen Welt Kulturgüter der Menschheit in digitaler Form anbieten, ist die 2009 freigeschaltete World Digital Library. Die Inhalte stammen von mehr als 50 internationalen Partnerorganisationen, zumeist Bibliotheken, dennoch ist eine Vielzahl von Medienformen vertreten (Bücher, Zeitschriften, Handschriften, Karten, Bilder, Filme und Audio-Files). Derzeit ist der Bestand der World Digital Library allerdings noch äußerst gering.

Das wohl umfangreichste digitale Angebot einer einzelnen Bibliothek mit historischem Schwerpunkt bietet die Library of Congress in Washington mit der Digitalen Bibliothek American Memory.

c) Google Books

Die umfassendste Sammlung von Büchern und Zeitschriften in digitaler Form bietet derzeit Google Books; 2008 umfasste das ständig wachsende Angebot rund 7 Millionen Bücher, die sich im Volltext durchsuchen lassen. Auch wenn diese Digitale Bibliothek von einem kommerziellen Betreiber angeboten wird, entstand sie in Kooperation zahlreicher Bibliotheken, darunter der Bibliotheken der Universitäten von Oxford, Harvard und Princeton sowie der Bayerischen Staatsbibliothek. Urheberrechtsfreie Werke und Werke bei denen Google eine Übereinkunft mit dem jeweiligen Verlag geschlossen hat, können vollständig angezeigt und herunterladen werden. Urheberrechtsgeschützte Werke lassen sich lediglich in Ausschnitten bzw. Auszügen anzeigen. Von jedem Titel verweisen Links auf Online-Buchhandlungen und Bibliotheken, die den entsprechenden Titel besitzen.

d) E-Books-on-Demand

Liegt ein gewünschter Text noch nicht in digitaler Form vor, so besteht für jeden Nutzer die Möglichkeit, die Digitalisierung des Werkes bei einer Bibliothek, die diesen Service anbietet, kostenpflichtig zu bestellen. In Frage kommen hierfür – soweit der Wert und der Zustand des gewünschten Titels eine Digitalisierung zulassen – alle urheberrechtsfreien Werke, (angeboten wird zumeist die Digitalisierung von Werken zwischen 1500 und 1920). Im deutschsprachigen Bereich wird dieser Service, der meist als E-Books-on-Demand oder Digitalisation on Demand (EoD, DoD) bezeichnet wird, von den Universitätsbibliotheken Dresden, Graz, Greifswald, Regensburg, Tirol, Wien, der Bibliothek der Humboldt-Universität in Berlin und der Bayerischen Staatsbibliothek angeboten. Bestellt werden können die gewünschten Titel über einen Link direkt aus dem jeweiligen Bibliothekskatalog heraus, dort wird auch der Preis angezeigt, der vom Umfang des Werkes abhängt. Die Lieferung ist als CD/DVD oder über einen Download möglich.


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