Fachvereinigungen
USA
Großbritannien
Wichtigste Fachvereinigung in Großbritannien ist die
Association of Business Historians (ABH). Ihre Mitglieder, Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen, haben sich die Förderung einer bewusst multidisziplinären Unternehmensgeschichte zum Ziel gesetzt, welche die Beziehungen der Unternehmen zu ihrem sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Umfeld mit in den Blick nimmt. Die Gesellschaft veranstaltet jährlich einen Kongress, gibt einen Newsletter und die Zeitschrift
Business History heraus. Auf der ABH-Homepage finden sich hilfreiche Links zu britischen Wirtschafts- und Unternehmensarchiven sowie einschlägigen Forschungszentren.
Deutschland
Für Deutschland ist als wichtigste Fachvereinigung die
Gesellschaft für Unternehmensgeschichte (GUG) zu nennen, die sich als Institution zur Förderung des wissenschaftlichen Austauschs versteht und zu diesem Zweck diverse thematisch spezialisierte Arbeitskreise unterhält, Symposien und öffentliche Vortragsveranstaltungen anbietet. Die GUG wirkt außerdem bewusst als Mittlerin zwischen Wissenschaft und Unternehmen, weist also einen starken Praxisbezug auf, etwa indem sie den Aufbau von Archiven unterstützt oder betriebliche Praktika vermittelt. Die GUG gibt die Zeitschrift für Unternehmensgeschichte. Journal of Business History (ZUG) sowie eine Schriftenreihe, Tagungsbände und eigene Projektveröffentlichungen heraus und zeichnet jährlich eine herausragende Dissertation oder Habilitation mit dem Preis für Unternehmensgeschichte aus. Der in bewusster Distanzierung zu einer traditionell stark auf außerwissenschaftliche Interessen ausgerichteten Unternehmensgeschichte gegründete
Arbeitskreis für kritische Unternehmens- und Industriegeschichte (AKKU) setzt seinen Akzent auf theoretisch-methodisch reflektierte Zugänge und Interdisziplinarität. Der Arbeitskreis veranstaltet jährliche Arbeitstagungen, zeichnet herausragende studentische Qualifizierungsarbeiten mit dem AKKU-Nachwuchspreis aus und gibt das Mitteilungsblatt Akkumulation sowie die Schriftenreihe Bochumer Schriften zur Unternehmens- und Industriegeschichte heraus. Auch die
Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare (VdW) unterhält offiziell einen Arbeitskreis für Unternehmensgeschichte, der allerdings derzeit keine nach außen wahrnehmbaren Aktivitäten entfaltet. Die VdW gibt außerdem die Zeitschrift
Archiv und Wirtschaft heraus, in der vor allem praktische Probleme – etwa bei der Archivierung digitaler Quellen – erörtert werden.
[nach oben]
Italien
Wichtigste italienische Fachvereinigung bzw. Stiftung zur Förderung der Unternehmensgeschichte ist die 1983 gegründete
Associazione di Storia e Studi sull’Impresa (ASSI) in Mailand, die eng mit der Università Commerciale Luigi Bocconi zusammen arbeitet. ASSI organisiert Seminare und Workshops, beteiligt sich an Forschungsprojekten und gibt u.a. das Jahrbuch Annali di Storia dell’Impresa heraus.
[nach oben]
Frankreich
In Frankreich hat sich 1989 auf Initiative des Ministeriums für Industrie das
Institut d’Histoire de l’Industrie konstituiert, dessen Mitglieder teils aus der historischen Forschung, teils aus der Wirtschaft selbst kommen und sich zum Ziel gesetzt haben, die Unternehmens- und Industriegeschichte zu fördern. Nach viel versprechenden Anfängen, darunter die Veranstaltung von Colloquien, werden die Aktivitäten des Instituts, das sich als eine unabhängige Fachvereinigung versteht, inzwischen offenkundig nicht mehr vorangetrieben. Das Institut unterstützt aber nach wie vor die Herausgabe der wichtigsten französischsprachigen unternehmensgeschichtlichen Zeitschrift Entreprises & Histoire.
[nach oben]
Europa
Als wichtigstes europäisches Forum für die Unternehmensgeschichte hat sich die 1994 gegründete
European Business History Association (EBHA) etabliert. Die EBHA veranstaltet in jedem Jahr einen internationalen Kongress, bei dem nicht zuletzt junge Forscher aus nord-, west-, süd- und osteuropäischen sowie nicht-europäischen Ländern zusammentreffen. Außerdem bietet sie alle zwei Jahre eine Summer School für Doktoranden an, vergibt einen Promotionspreis und stellt ihren Mitgliedern einen regelmäßigen Online-Newsletter zur Verfügung, in dem in den letzten Jahren u.a. ausführlich über die sehr unterschiedliche Lage des Fachs in einzelnen europäischen Ländern berichtet wurde (
Newsletter No. 3 von 1996 befasste sich beispielsweise mit Russland; für Nicht-Mitglieder zumindest ausschnittweise zugänglich).
[nach oben]
Japan
Nicht unerwähnt bleiben soll die
Business History Society of Japan, deren Homepage auch in einer englischen Version zur Verfügung steht. Die Gesellschaft veranstaltet alljährlich im Herbst einen nationalen Kongress und gibt die Zeitschrift Management History (in japanischer Sprache, mit online verfügbaren englischen Abstracts) und das Jahrbuch Japanese Research in Business History (in englischer Sprache, mit online recherchierbaren Inhaltsverzeichnissen) heraus (bis 2003 erschienen unter dem Namen Japanese Yearbook on Business History).
[nach oben]
Spezialisierte Fachvereinigungen
Seit den 1990er Jahren ist eine wachsende Differenzierung der Unternehmensgeschichte zu beobachten, die sich in der Gründung entsprechend spezialisierter, hier nur beispielhaft angeführter Fachvereinigungen niederschlug.
Bereits in den 1960er Jahren entstand das
Institut für bankhistorische Forschung (IbF) in Frankfurt am Main. Das Institut veranstaltet Symposien und wissenschaftliche Kolloquien, vergibt einen Förderpreis für herausragende wissenschaftliche Arbeiten und gibt Publikationen sowie die Zeitschrift Bankhistorisches Archiv heraus. Die Gesellschaft für mitteleuropäische Banken- und Sparkassengeschichte mit Sitz in Bielefeld wird von ihren meist aus dem akademischen Bereich kommenden Mitgliedern getragen und pflegt durch ihre Veranstaltungen und Publikationen insbesondere den Austausch zwischen west- und ostmitteleuropäischen Forschern. Die Gesellschaft gibt das Jahrbuch Geld und Kapital heraus. Leider präsentiert sie sich nicht mit einer eigenen Homepage im Internet, ist aber ganz klassisch auf dem Postweg zu erreichen: Detmolder Strasse 133, 33604 Bielefeld. Die 1990 gegründete
European Association for Banking and Financial History (EABH) mit Sitz in Frankfurt am Main, der neben Einzelmitgliedern rund 80 Banken aus 25 europäischen Ländern angehören, berät Banken bei der Einrichtung von hausinternen Archiven, Museen und Ausstellungen, veranstaltet Konferenzen, Colloquien und Workshops, gibt die Schriftenreihe Studies in Banking and Financial History sowie Publications on the Issues of Bank Archives heraus und unterstützt die Publikation der Zeitschrift
Financial History Review.