Forschungseinrichtungen und Studiengänge
Forschungseinrichtungen
In Deutschland hat die universitäre Stadtgeschichtsforschung in den letzten Jahren entgegen dem übergreifenden Trend der Stellenkürzungen einen Ausbau oder zumindest eine Konsolidierung erfahren. Im folgenden werden zunächst die Forschungsinstitutionen und anschließend gebündelt die von ihnen angebotenen Studiengänge aufgeführt.
Ein neues interdisziplinär und international orientiertes Forschungszentrum wurde kürzlich an der TU Berlin mit dem Center for Metropolitan Studies (CMS), gegründet. Dort ist derzeit unter anderem das von der DFG geförderte Transatlantische Graduiertenkolleg Berlin – New York angesiedelt, welches verschiedene Veranstaltungsreihen und Publikationen zur Metropolenforschung organisiert. Auch an der TU Darmstadt arbeitet seit einiger Zeit ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt Stadtforschung, das zahlreiche Einzelprojekten bearbeitet sowie Konferenzen veranstaltet und Publikationen veröffentlicht.
Weitere Zentren der Stadtgeschichtsforschung in Deutschland sind die Forschungsstelle Zeitgeschichte in Hamburg (FZH), ein an der Hamburger Universität angelagertes Forschungsinstitut zur Geschichte Hamburgs und Norddeutschlands im 20. Jahrhundert, das unter anderem mehrere Publikationsreihen herausgibt. Einen besonderen Schwerpunkt auf die ältere Stadtgeschichte legt das Institut für vergleichende Städtegeschichte an der Universität Münster gGmbH (IStG), das auf eine lange Tradition interdisziplinärer Stadtgeschichtsforschung zurückblickt. Es betreut unter anderem große Publikationsvorhaben wie den Deutschen Städteatlas und die Reihe Städteforschung sowie eine laufende Bibliografie zu Neuerscheinungen der Städtegeschichte. Zu den wichtigsten „Stützpunkten“ der Forschung in Deutschland zählen aber auch neben den in den genannten Instituten arbeitenden Professoren einzelne Lehrstühle, so insbesondere jene von Clemens Zimmermann an der Universität Saarbrücken, Clemens Wischermann an der Universität Konstanz, Martin Baumeister an der Universität München, Harald Bodenschatz an der TU Berlin sowie von Tilman Harlander an der Universität Stuttgart. Zu den Anlaufstellen für die Stadtgeschichtsforschung der frühen Neuzeit gehören die Lehrstühle von Heinz Schilling (Humboldt-Unversität zu Berlin), Kersten Krüger (Univ. Rostock) sowie Gerhard Fouquet (Univ. Kiel).
Als Flagschiff der Stadtgeschichtsforschung auf europäischer Ebene kann das Centre for Urban History (CUH) an der University of Leicester gelten, haben hier doch H. J. Dyos und seine Kollegen in den 1960er Jahren den ersten Anstoß zur Etablierung der Disziplin gegeben. Das CUH war unter anderem um 1990 führend an der Etablierung des europäischen Netzwerkes und der Konferenzreihe der „European Association of Urban Historians“ sowie an zahlreichen weiteren Initiativen beteiligt. Das Centre bietet mehrere einschlägige Studiengänge an (s.u.) und bearbeitet zahlreiche stadthistorische Forschungsprojekte, teils in Kooperation mit anderen Instituten und Institutionen. Die Website weist eine umfassende Linksammlung, Konferenzkalender und Informationen zu den Publikationen des CUH und zu der am Institut herausgegebenen Zeitschrift Urban History auf. Der vom CUH herausgegebene Urban History Newsletter kann vermittels eines Formulars bestellt werden, ältere Ausgaben sind als Scan abrufbar. Seit neuestem publiziert das CUH auch einen online-Newsletter UHNOnline vorrangig als Forum für die europäische Stadtgeschichtsforschung. Als weitere prominente Zentren in Europa seien erwähnt das Institute of Urban History an der Stockholm University (Stads- och kommunhistoriska institutet, Stockholms universitet), das von der Universität Stockholm und dem schwedischen Gemeindeverband unterhalten wird und Forschungsergebnisse in fünf Reihen auf schwedisch veröffentlicht, sowie das Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung in Wien. Letzteres gibt unter anderem den Österreichischen Städteatlas heraus. Einen Schwerpunkt auf die städtische Umwelt- und Technikgeschichte legt das französische Centre d´Histoire de Techniques et d´Environment (CDHTE) am Conservatoire des Arts et Metiers in Paris. Weitere prominente Forschungseinrichtungen sind das Centre for Metropolitan History der University of London (CMH), sowie das Dansk Center for Byhistorie, Danish Centre for Urban History an der Aarhus Universitet.
Studiengänge
Mit der Umstellung auf das System der Bachelor- und Master-Studiengänge wurden auch einschlägige Angebote für die Stadtgeschichte entwickelt. An der TU Darmstadt wird der Master-Studiengang Geschichte – Umwelt – Stadt angeboten, an der TU Berlin der Master-Studiengang Historische Urbanistik. Stärker gegenwartsbezogen und nicht primär auf die Stadtgeschichte ausgerichtet sind der am Institut für Geographie der Freien Universität Berlin angesiedelte Master-Studiengang Metropolitan Studies, sowie der vorrangig für Architekten, Landschaftsplaner usw. konzipierte Masterstudiengang Europäische Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar.
Das Centre for Urban History an der University of Leicester bietet drei einschlägige Studiengänge an: Einen MA in Urban History, einen MA in European Urbanisation sowie einen MA in Social History. Am Centre for Metropolitan History (School of Advanced Study, Institute of Historical Research) der University of London (CMH) kann der Studiengang MA in Metropolitan and Regional History belegt werden. In Paris bietet das Centre d´Histoire de Techniques et d´Environnement (CDHTE) am Conservatoire des Arts et Metiers (CNAM) einen auf das industrielle Kulturerbe fokussierten Master-Studiengang an.