Möglichkeiten der Publikation
Aus technischer Sicht sind heute im Wesentlichen vier Möglichkeiten zu einer wissenschaftlichen Publikation beschreitbar:
Die Promotionsordnungen akzeptieren in der Regel übrigens alle genannten Varianten.
Chancen auf Aufmerksamkeit indes eröffnen vor allem die beiden letztgenannten Formen.
Fotokopie
Eine nähere Erläuterung zu diesem Thema dürfte sich erübrigen. Promovierende allerdings sollten bedenken, dass in dieser Form – relativ einfach, weil auf gewohnten Wegen – vervielfältigte Arbeiten in hoher Stückzahl einzureichen sind (die Promotionsordnungen sehen häufig die „unentgeltliche Übergabe von 80 kopierten und gebundenen Pflichtexemplaren“ vor). Damit sind nicht unerhebliche Kosten verbunden.
Mikrofiches
Hierbei handelt es sich um ein Medium, das üblicherweise vor allem zur Archivierung eingesetzt wird. Seine Haltbarkeit soll unter idealen Bedingungen bei bis zu 500 Jahren liegen. Verbreitet ist in erster Linie der „Mikroplanfilm“ im Format A6, wie er in Bibliotheken und Archiven häufig eingesetzt wird. Ein großer Nachteil ist die vergleichsweise komplizierte Benutzung, die Zugang zu einem Lesegerät voraussetzt. Promotionsordnungen sehen bei der Wahl dieses Mediums zumeist die Abgabe von 50 oder 60 Mikrofiches sowie vier bis sechs ausgedruckter, gebundener Exemplar vor.
Publikation durch einen Verlag
Im Idealfall steht eine Buchpublikation nach wie vor für Kontinuität, geprüfte Qualität und Rezeptionsfreundlichkeit. Diese bislang am weitesten verbreitete Form der Veröffentlichung größerer Arbeiten verbindet sich noch immer mit hohem Prestige. Sie wird von den Promotionsordnungen zumeist erfasst als „Verlag durch einen gewerblichen Verleger, der die Verbreitung über den Buchhandel übernimmt“. Zumeist ist eine Auflage von 150 Exemplaren vorgeschrieben; der Universität abzuliefern sind fünf Pflichtexemplare.
Die Zahl der Verlage, die (auch) historische Werke verlegen, ist außerordentlich groß. Zu unterscheiden sind zwei Grundformen: Zum einen Publikumsverlage, die einen Teil ihres Programms für wissenschaftliche Publikationen öffnen. Einschlägige Namen sind z.B. Beck, S. Fischer oder Suhrkamp. Zum anderen reine Wissenschaftsverlage; bekannte Beispiele sind Böhlau, Oldenbourg oder Vandenhoeck & Ruprecht (einige Hochschulen versuchen zudem, Universitätsverlage nach angelsächsischem Vorbild zu betreiben). Die unterschiedlichen Verlagstypen unterscheiden sich nicht nur im Programm: Wissenschaftsverlage bedienen sich spezieller Instrumente des Vertriebs wissenschaftlicher Literatur.
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| Aus dem Film "Der Buchdruck" von Frank Widmayer, D 1997. |
Für Autor/innen ist der
Zugang zu einem Verlag
nicht immer einfach: Publikumsverlage sind nicht nur auf vergleichsweise populäre Themen und Fragestellungen angewiesen. Sie benötigen vor allem Autorennamen, die weit über den Zirkel des Faches hinaus bekannt sind. In aller Regel handelt es sich dabei um etablierte Forscher/innen. Wissenschaftliche Früh- oder gar Erstlingswerke werden es – zurückhaltend formuliert – nur in ganz außerordentlichen Fällen zu einem Platz auf den Listen dieser Häuser bringen.
Differenzierter stellt sich das Bild bei den
Wissenschaftsverlagen dar. Einerseits gibt es die Verleger etablierter Reihen. Die Aufnahme einer Arbeit hängt in der Regel vom Ausgang eines mitunter langwierigen
Begutachtungsprozesses ab. An ihm sind Herausgeber/innen und Verlag beteiligt. Häufig ist zudem vor Drucklegung Aktualisierungs-, Ergänzungs- oder Änderungswünschen Rechnung zu tragen. Auch ist regelmäßig ein
Druckkostenzuschuss von mehreren tausend Euro aufzubringen. Die Kosten für Herstellung und Vertrieb eines wissenschaftlichen Buches sind nämlich grundsätzlich durch seinen Verkauf allein nicht zu erbringen. Für die Autor/innen kann sich die Investition in Zeit und Geld dennoch lohnen, profitieren sie doch mit der Veröffentlichung in einer renommierten Reihe von deren Ruf.
Die Verlagsrecherche wird erleichert durch die Verlagsdatenbank von Clio-online.
Zum anderen existiert eine große Zahl von Verlagen, die – teils mit, teils ohne erkennbaren fachlichen Schwerpunkt – das Verlegen wissenschaftlicher Werke als Dienstleistung anbieten. Auch hier ist ein Druckkostenzuschuss erforderlich, der allerdings unter dem für etablierte Reihen liegen sollte. Im Internet lässt sich nach solchen Verlagen in Suchmaschinen, etwa zum Stichwort „Dissertation“, suchen. Die Qualität des Angebots auch unbekannter Häuser lässt sich anhand bestimmter Kriterien verlässlich überprüfen (mehr dazu s. u.).
Veröffentlichung im Internet
Für eine Veröffentlichung im Internet sprechen die höhere Geschwindigkeit bei der Informationsversorgung und die Möglichkeit der kostengünstigen (Selbst)Publikation [15] durch den Wegfall der Druck-, Binde- und Versandkosten.
Als Nachteile einer Buchpublikation gelten die Rezeptionsunfreundlichkeit großer Formate und die geringe Rezeptionsgeschwindigkeit des Informationsträgers ›Buch‹. Mit der von Forscher/innen verzeichneten Veränderung des Leseverhaltens der Rezipient/innen gewinnt die einsinnige Linearität der Rezeption von Büchern als Begrenzung an Bedeutung, die dem differenzierten Informationsbedürfnis moderner Wissensgesellschaften zuwider laufe. Texte werden neueren Studien zu Folge immer weniger ganz und linear gelesen, sondern von den Rezipient/innen zunehmend als Wissensdatenbanken verstanden, deren Sachinformationen in verschlagworteten Modulen präsentiert werden. Verweisungsnetzwerke garantieren, dass die Konzepte verschiedener Autor/innen zusammenwachsen können. Digitalisierte Medien bieten Text- und Rezeptionsstrukturen, die sich im Bereich des traditionellen Buches nur unvollkommen realisieren ließen oder überhaupt jenseits seiner Möglichkeiten liegen. Diesem veränderten Rezeptionsverhalten komme die Online-Publikation mehr als die herkömmliche Printausgabe entgegen.[16]
Entscheidend für die Rezeption einer Internet-Veröffentlichung ist die Verlinkung der Site, auf der sie steht. Handelt es sich um ein bekanntes Fachforum, darf davon ausgegangen werden, dass die Fachwelt Notiz von der Arbeit nimmt. Steht das Werk hingegen auf einer unbekannten, mangelhaft verlinkten Website – privaten Homepages oder Weblogs etwa –, ist mit der Veröffentlichung zwar womöglich formalen Ansprüchen Genüge getan, nicht aber ein Zugang zu interessierten Fachleuten geschaffen worden. Ein erster Schritt zur Verortung der eigenen Internet-Veröffentlichung ist der Besuch des Deutschen Bildungsservers.[17] Hier lassen sich Datenbanken, u.a. zu Online-Ressourcen, ausfindig machen.
Für online Publikationen, insbesondere Dissertationen, sind folgende Angebote hilfreich: In Deutschland bietet das Projekt
DissOnline umfangreiche Ressourcen für potentielle Autoren sowie weitere Recherchemöglichkeiten. <
http://www.dissonline.de/>,
Für Österreich besteht eine Dissertationsdatenbank der
Austrian Research Centers unter
http://www.arcs.ac.at/,
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Für Österreich besteht eine Dissertationsdatenbank der
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[15] Eine gute Zusammenfassung der Diskussion findet sich bei Jorda, Stefan; Rauner, Max, Randgespräch über das wissenschaftliche Publizieren von morgen, in: Physik Journal 1/1 (2002), S. 23-28.
[16] Vgl. etwa
Hamm, Ingrid; Lange, Claudia, Das Lesebarometer - Lesen und Umgang mit Büchern in Deutschland, in: Bonfadelli, Heinz; Bucher, Priska (Hgg.), Lesen in der Mediengesellschaft. Stand und Perspektiven der Forschung, Zürich 2002, S. 43-56.