Das Herstellen von ,Geschichte' ist gebunden an Sprachlichkeit und Textlichkeit. Denn Historiker befassen sich zumeist mit den schriftlichen Hinterlassenschaften der Menschheit, wobei sie ihre daraus gewonnenen Vergangenheitsrekonstruktionen wiederum schriftlich fixieren. Im abendländischen Kulturraum stellt von daher die Erzählung seit der Antike das bevorzugte Verfahren für die Strukturierung und Darstellung vergangenen Geschehens dar. Schon Aristoteles verbindet Geschichte und Erzählung selbstverständlich miteinander, wobei dem Historiker im Unterschied zum Dichter obliegt, das mitzuteilen, was wirklich geschehen ist. Letzterem hingegen kommt die Aufgabe zu, von dem zu erzählen, was geschehen könnte. Allerdings müssen historische wie literarische Werke in ihrer Darstellung logisch, konsistent und plausibel erscheinen, weshalb sich Geschichtsschreibung und Literatur häufig auch gleicher Erzählverfahren bedienen.
Innerhalb der Geschichtswissenschaften ruft der Vergleich mit der Literatur traditionell ein gewisses Unbehagen hervor. Denn seither sahen sich Historiker in einer gewissen Rechtfertigungspflicht, sich durch ihre ‚erzählende’ Darstellung wirklichen Geschehens von den rhetorischen Techniken und Fertigkeiten fiktionaler Darstellungsweisen abzugrenzen. Dies hat unter anderem auch zu Tendenzen geführt, die Geschichtswissenschaft methodisch und theoretisch von der geisteswissenschaftlichen Tradition trennen zu wollen, um sie mithilfe quantifizierender Methoden auf ein vermeintlich objektiveres (sozial)wissenschaftliches Fundament zu stellen.
Aber gerade weil die theoretischen und methodischen Grundlagen innerhalb der sich auch weiterhin ausdifferenzierenden Geschichtswissenschaften immer wieder lebhaft und neu zur Diskussion gestellt werden und die wissenschaftshistorische Anknüpfung allenthalben zur selbstkritischen Befragung und Rückversicherung von Historikern gehört, bleiben die Fragen rund um das Beziehungsgefüge von Geschichte und Literatur aktuell und wesentlich, sowohl in Bezug auf Erzähltechniken wie auch bezüglich des Verhältnisses von Fakten und Fiktionen. Im Folgenden wird zunächst in einem kurzen Abriss die Geschichte der Geschichtswissenschaften‚ aus dem Geiste der Literatur’ vorgestellt. Im Anschluss daran sollen zur Veranschaulichung einige ausgewählte Themenfelder bzw. Teildisziplinen der Geschichtswissenschaften hervorgehoben werden, die sich mit Fragen nach Erzählstrategien und mit dem Verhältnis von Fakten und Fiktionen befassen sowie mit literarischen Textgattungen arbeiten. Es folgt eine Zusammenstellung von Websites, Linksammlungen, Volltexten, Fachportalen, virtuellen Bibliotheken und von Archiven, die für den Kontext relevant erscheinen. Last not least wird eine Auswahlbibliographie der Forschungsliteratur zum Verhältnis von Geschichte und Literatur angeboten.
Die Autorin: Katja Stopka ist Leiterin der Bibliothek am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, seit 2006 Lehrbeauftragte am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität zu Berlin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in dem ZZF- Forschungsbereich "Zeitgeschichte der Medien und Informationsgesellschaft
Zitation: Katja Stopka, Guide Geschichte und Literatur, In: Clio-online, 15.11.2008, <http://www.clio-online.de/guides/geschichteliteratur/stopka2008>